Kategorie: Nachhaltigkeit & Minimalismus

  • DIY Waschmittel aus Kastanien

    DIY Waschmittel aus Kastanien

    Jedes Jahr zu Herbstbeginn ist es soweit, die Kastanien sind reif. Die Bäume lassen ihre wunderschönen, braunroten Früchte auf die Erde fallen. Früher als Kind habe ich oft Kastanien gesammelt, um daraus Figuren zu basteln.

    Heute freue ich mich wieder aus einem anderen Grund über die Kastanienzeit. Denn aus Kastanien lässt sich wunderbar ein kostengünstiges, völlig natürliches Waschmittel herstellen. 

    Hier im Beitrag erzähle ich dir, wie du selbst Waschmittel aus Kastanien herstellen & nutzen kannst und worauf du achten solltest.

    Kurz zur Einleitung: Wenn ich hier in diesem Beitrag von der Kastanie spreche, meine ich damit die Rosskastanie. Diese gehört zur Gattung der Seifenbaumgewächse und das ist der Hinweis, warum sie wunderbar als Waschmittel nutzbar ist. Bitte nicht verwechseln mit der Edelkastanie, die wir auch als Esskastanie kennen. Diese Sorte gehört zu den Buchengewächsen und kann nicht benutzt werden, um Waschmittel aus Kastanien herzustellen.

    So stellst du das Waschmittel aus Kastanien her

    Schritt 1 ist natürlich erst mal, rauszugehen und Kastanien zu sammeln. Hierbei zählt: Je frischer, desto besser. Gesammelte Kastanien werden am besten am gleichen Tag weiterverarbeitet. Ältere Kastanien werden hart und trocken und lassen sich zur Herstellung von Waschmittel nicht mehr nutzen. Frische Kastanien erkennst du daran, dass sie rötlich-braun sind und schön glänzen. Ältere Kastanien werden dunkler und matt.

    Nimm auch gerne Kastanien mit, die sich noch in ihrer grünen Stachelhülle befinden. Doch achte darauf, keine Kastanien zu sammeln die schon aufgeplatzt oder eingerissen sind.

    Wie viele Kastanien du brauchst, dazu kann ich dir leider noch keine genauen Angaben machen. Letztes Jahr haben wir so viele Kastanien gesammelt, dass wir später ein Einmachglas Waschmittel herstellen konnten. Diese Menge war jedoch nicht ausreichend, um übers Jahr zu kommen. Daher haben wir dieses Jahr eine größere Menge produziert. Nächstes Jahr habe ich hier Erfahrungswerte, wie weit wir damit gekommen sind.

    Wir benutzen die Kastanien als Hauptwaschmittel. Vielleicht möchtest du sie aber erst mal ausprobieren oder nur als Abwechslung zum normalen Waschmittel nutzen.

    Die Zubereitung für das Waschmittel aus Kastanien ist aber, unabhängig der Menge der Kastanien, immer gleich.

    Im zweiten Schritt werden die Kastanien zerkleinert, um später Kastanienschrot herzustellen. Dazu zerteilst die Kastanien je nach Größe in 2-4 Teile.

    Mit einem großen Messer sollte das gut funktionieren. Wenn du jedoch spürst, dass du ziemlich viel Kraft aufwenden musst, um die Kastanie kleinzukriegen, dann stimmt etwas nicht. Entweder ist das Messer nicht gut geeignet und du brauchst ein größeres oder die Kastanie ist nicht mehr frisch genug. Sobald Kastanien alt werden trocknen sie ein und werden steinhart. Diese solltest du lieber entsorgen und frischere Kastanien benutzen.

    Wenn du alle Kastanien halbiert oder geviertelt hast, geht es weiter mit Schritt 3.

    Jetzt geht´s ans Schreddern der Kastanien. Das dient dazu, die Oberfläche zu vergrößern und die Saponine aus den Kastanien besser herauszulösen. Saponine sind pflanzliche Stoffe, die in Verbindung mit Wasser Schaum bilden können. Diesen Effekt machen wir uns beim Waschmittel aus Kastanien zunutze. Rosskastanien enthalten Saponine, denn diese Pflanze gehört zu den Seifenbaumgewächsen. Das sind Gewächse, die teilweise zur Herstellung von Seife benutzt werden, weil deren Pflanzenteile Saponine enthalten.

    Durch das Schreddern werden die Kastanien zu dem von mir sog. Kastanienschrot verarbeitet. Das funktioniert am besten mit einem Hochleistungsmixer oder einer Küchenmaschine. (Der Mixer sollte aber wirklich Power haben.) Unser Mixer, den du unten auf dem Bild siehst hat 900W und kommt spielend mit den Kastanien zurecht. Ich fülle ihn jedoch maximal zu 1/3 je Mixvorgang. Ich habe das Gefühl, wenn die Kastanien Platz haben im Mixbehälter rumzuhüpfen, werden sie schneller und besser zerkleinert.

    Der Kastanienschrot ist nun theoretisch direkt verwendbar. Um ihn jedoch haltbar zu machen, muss er getrocknet werden, ansonsten würden die Kastanien schnell schimmeln. Dazu legst du den Kastanienschrot auf Ofengittern oder Blechen aus, die du vorher mit Backpapier oder Geschirrhandtüchern belegst. Diese stellst du an einem warmen, trockenen Ort aus, damit die gehäckselten Kastanien trocknen können.

    Das funktioniert sehr gut im wärmsten, sonnigsten Raum deiner Wohnung oder in der Nähe einer Heizung oder eines Kamins. Du könntest die Kastanien bei schwacher Wärme auch im Backofen trocknen. Da dies jedoch unnötigen Energieverbrauch bedeutet, kann ich das nicht empfehlen. Ein Tipp den ich aber mal gelesen habe ist, den Ofen zu nutzen wenn du sowieso backen wolltest. Wenn der Kuchen fertig ist schaltest du den Ofen aus und schiebst das Blech mit dem Kastanienschrot in die Röhre. Die Restwärme hilft beim Trockenvorgang.

    Ich selbst nutze nur die Raumtemperatur, die Sonne und ggf. die Heizungswärme. Dadurch dauert das Trocknen zwar länger, aber ich habe ja auch keine Eile.

    Nachdem das Kastanienschrot vollständig getrocknet ist, kann es in Gläser abgefüllt werden und als Waschmittel genutzt werden. Die Betonung liegt hier allerdings auf vollständig. Nur wenn die Kastanien wirklich knochentrocken sind, sind sie lagerfähig. Sollte noch Restfeuchtigkeit vorhanden sein, wird sich Schimmel bilden und du kannst dein Waschmittel aus Kastanien in den Müll entsorgen.

    Auf dem Foto ist ein Einmachglas zu sehen, das zerkleinerte Kastanien enthält.

    So benutzt du das Waschmittel aus Kastanien

    Vor jeder Wäsche nimmst du 2 gehäufte EL des Kastanienschrots und gibst sie in ein separates Glas. Dann gießt du dieses Glas mit etwa 300-500 ml. warmem Wasser auf. Bitte kein kochendes Wasser benutzen, das kann den Sud eindicken und den Prozess des Herauslösens der Saponine behindern.

    Den Sud lässt du jetzt mindestens 30 Minuten ziehen.

    Danach gießt du diesen Aufguss durch ein Sieb in den Waschmittelbehälter deiner Waschmittel. Das Sieb fängt den Kastanienschrot auf und sorgt dafür, dass nur die Flüssigkeit mit den herausgelösten Saponinen in die Waschmaschine gelangt.

    Den benutzen Kastanienschrot könntest du jetzt noch einmal aufgießen und für eine weitere Wäsche nutzen. Das solltest du aber nur tun, wenn die Waschmaschine am gleichen Tag (möglichst direkt nach der ersten Wäsche) noch einmal startest. Wenn du den Kastanienaufguss zu lange stehen lässt, kann sich nämlich über die Zeit ein saurer Geruch bilden.

    Nach dem du den Kastanienschrot aufgegossen hast, kannst du die Reste der benutzen Kastanien einfach auf dem Kompost entsorgen.

    Zum Abschluss hier noch einmal die häufigsten Fragen, die mir bisher zum Waschmittel aus Kastanien gestellt wurden. Wenn du eine Frage hast, die hier nicht beantwortet wird, stelle sie mir gerne in den Kommentaren.

    Wonach riecht das Waschmittel aus Kastanien?

    Das Waschmittel aus Kastanien riecht tatsächlich nach – nichts. Das mag zu Beginn etwas ungewohnt sein, wenn du den Geruch deines Waschmittels gewohnt bist und diesen mit frischer Wäsche assoziierst. Aber ich mag diese Tatsache mittlerweile richtig gerne. Immerhin tragen wir so viele verschiedene Gerüche mit uns am Körper herum. Der Geruch der Haarseife, der Geruch der Körperseife, unser Parfum, ggf. der Geruch unseres Deos und nicht zu vergessen unser wunderbarer, individueller Körpergeruch. Bei diesem Duftmix ist es für mich richtig wohltuend, wenn sich die Wäsche geruchsmäßig zurückhält.

    Wie lange hält sich der Kastanienschrot?

    Wenn der Kastanienschrot vorher wirklich gut getrocknet wurde und luftdicht in Gläsern o.ä. aufbewahrt wird, hält er sich mindestens 2 Jahre. Aber wie gesagt, absolute Trockenheit ist der Schlüssel.

    Halte einfach ein Auge darauf, sollten die gehäckselten Kastanien anfangen zu schimmeln, dann war noch Restfeuchte vorhanden und der Kastanienschrot muss entsorgt werden.

    Wird die Wäsche mit dem Waschmittel aus Kastanien wirklich sauber?

    Kurze Antwort: Ja, für den „normalen“ Schmutz und das Auffrischen der Wäsche reicht das Waschmittel aus Kastanien völlig aus. Hartnäckige Flecken brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit. Diese behandele ich dann meist vor, etwa mit Zitronensäure oder Natron. Auch Kernseife oder Alepposeife wird teilweise zur Vorbehandlung empfohlen.

    Was muss ich bei hartem Wasser beachten?

    Waschmittel aus Kastanien enthält natürlich keinen Wasserenthärter, der in anderen Waschmitteln enthalten sein kann. Bei hartem Wasser kann es daher sinnvoll sein, beim Waschen 1-2 TL Waschsoda zum Kastaniensud hinzuzugeben.

    Achtung: Waschsoda darf allerdings nicht bei tierischen Fasern wie etwa Wolle, Seide etc. verwendet werden, da es dort die Fasern aufquellen lässt. 

    Bei Baumwolle, Leinen usw. besteht allerdings keine Gefahr.

    Was muss ich bei weißer Wäsche beachten?

    Manche Waschmittel speziell für weiße Wäsche enthalten ein Bleichmittel, das die Wäsche vor dem Ergrauen schützen soll. Dieses Bleichmittel ist natürlich im Waschmittel aus Kastanien nicht enthalten.

    Bleichmittel gibt es aber separat zu kaufen, auch bei Anbietern von Öko-Waschmittel. Wenn es dir also wichtig ist, deine weiße Wäsche wirklich strahlend weiß zu halten, kannst du zu Bleichmittel also zusätzlich zum Kastaniensud zur Wäsche geben.

  • Minimalismus – Ist weniger wirklich mehr

    Minimalismus – Ist weniger wirklich mehr

    Minimalismus ist mittlerweile so bekannt, dass es schon ein Trend ist. Doch was ist Minimalismus überhaupt? Was bringt das und wie fängst du damit an? Lass mich dir durch meine Sicht auf das Thema einige dieser Fragen beantworten.

    Zuerst mal, es gibt nicht DEN Minimalismus, mit festgelegten Regeln. Du musst dich nicht auf eine bestimmte Anzahl von Gegenständen beschränken und deine Wohnung muss nicht komplett in weiß gehalten und fast leer sein. Das alles kann ein Teil deines persönlichen Verständnisses von Minimalismus sein. Aber es gibt kein Gesetz, dass es so sein muss. Vor allem auch, da die persönliche Umsetzung von Minimalismus des einen Menschen nicht zwangsläufig auch für dich funktionieren muss. Daher kann ich dir keine universelle Anleitung zum Minimalismus geben. Aber ich kann dich inspirieren, deinen eigenen Weg zum Minimalismus zu finden.

    The Minimalistst beschreiben Minimalismus folgendermaßen:

    [dt_quote background=“fancy“]

    „Minimalismus ist ein Werkzeug das dir helfen kann, Freiheit zu finden.“

    [/dt_quote]

    Ich finde diese Beschreibung sehr passend und es beschreibt auch zum Teil, was Minimalismus für mich bedeutet. Ich mische das gerne mit der Theorie der KonMari-Methode von Marie Kondo, sich nur mit den Dingen zu umgeben die Freude auslösen („This sparks joy“). Diese Methode zielt nämlich eigentlich auf ein anderes Ziel als Minimalismus ab, aber sie hilft mir bei meiner Umsetzung des Themas.

    Wie ich überhaupt zum Minimalismus gekommen bin, habe ich dir bereits im Beitrag Mein Weg zu Zero Waste aufgeschrieben.

    Für mich macht Minimalismus auch heute nach wie vor unglaublich Sinn und es bereitet mir ein tiefes Gefühl von Zufriedenheit. Denn ein großer Wert für mich ist Klarheit. Ich mag es, wenn Dinge klar und geradlinig sind. Ich arbeite gerne an ruhigen, ablenkungsfreien Orten. Daher ist es zwar theoretisch ein schöner Gedanke, zum Arbeiten in ein Café zu gehen, für mich aber nicht wirklich praktikabel. Um in den Workflow zu kommen, brauche ich Ruhe und wenig Ablenkung. Ihr könnt euch vielleicht denken wie ich es gehasst habe, in einem Großraumbüro arbeiten zu müssen. Ein tiefes Versinken in der Arbeit funktioniert dort überhaupt nicht für mich.

    Daher muss mein Schreibtisch vor Beginn der Arbeit stets aufgeräumt sein. Drauf stehen darf auch nur, was ich regelmäßig brauche.

    Doch auch sonst im Leben finde ich Klarheit und Ruhe höchst ästhetisch und beruhigend. Ich mag es total, wenn auf einem Sideboard etwa nur ein Dekorationsobjekt steht, welches für sich allein wirken kann. Wenn ich in vollgestopfte, chaotische Wohnungen komme, bin ich permanent angespannt und würde am liebsten sofort aufspringen um aufzuräumen und auszumisten.

    Ich mag es, meine Lieblingstasse jeden Tag zu benutzen. Ich mag es, die gleichen Kleidungsstücke immer und immer wieder zu tragen, weil ich mich so wohl darin fühle. Ich mag es Platz zu haben in meiner Wohnung, weil nicht alles vollgestellt ist, sondern ich auch leere Flächen zulasse. In luftig gestalteten Räumen hab ich stets das Gefühl, besser und freier durchatmen zu können.

    Der minimalistische Lebensstil hat aber noch weitere Vorteile. Ich komme mit viel weniger Konsum aus. Ich brauche weniger Zeug, dass mich vermeintlich glücklich macht. Ich muss mich damit beschäftigen, was ich tue, anstatt damit, was ich besitze. Früher habe ich versucht, der Beschäftigung mit mir selbst aus dem Weg zu gehen. Ich habe versucht, diese Leere in mir durch Konsum zu füllen. Das hat mich davon abgelenkt, mich damit zu beschäftigen wer ich wirklich bin und was ich wirklich will. Wenn die Wirkung nachgelassen hat, musste eben neuer Konsum her.

    Seitdem ich zugelassen habe, mich mit mir selbst zu beschäftigen, brauche ich das nicht mehr. Ich will mich nicht mehr betäuben und ablenken. Ich will den Dingen auf den Grund gehen, das Leben und mich selbst darin spüren.

    Dank der Beschäftigung mit Minimalismus behandele ich meinen Besitz auch umsichtiger. Ich pflege meine Sachen besser und ich versuche Dinge zu reparieren, die kaputt sind. Ich halte mir oft vor Augen, wie viel Arbeit in der Herstellung des Produktes steckt, wie viele Menschen daran mitgearbeitet haben, dass ich es jetzt in Händen halten kann. Wie viele Ressourcen dafür benötigt wurden. Das zeigt mir die Dinge in einem völlig anderen Licht und macht sie für mich wertvoll.

    Es ist schwierig genau zu erklären, was Minimalismus für mich bedeutet. Ich glaube, es ist ein permanentes Hinterfragen:

    [dt_vc_list dividers=“false“]

    • Was brauche ich wirklich?
    • Will ich Zeit und Geld aufwenden, das Produkt einzukaufen, zu pflegen und zu reparieren?
    • Trägt dieses Produkt dazu bei, das mein Leben tatsächlich angenehmer, leichter und schöner wird?
    • Wie sieht mein Leben aus, wenn ich das Produkt nicht (mehr) besitze?

    [/dt_vc_list]

    Definitiv aber ist Minimalismus ein Prozess, der nie wirklich endet, sondern sich nur verändert. Gegenstände, an denen ich noch vor einer Weile festgehalten habe, kann ich plötzlich loslassen. Bei Dingen die ich gekauft habe, stelle ich fest, dass sie doch keine Bereicherung für mein Leben sind, obwohl ich vorher gründlich über den Kauf nachgedacht habe. Nicht zuletzt wohne ich ja nicht allein, daher hat natürlich auch mein Mann ein Mitspracherecht bei der Ausstattung unserer Wohnung. Sein Verständnis von Minimalismus ist wiederum ein anderes wie meines, einfach weil jeder Mensch anders ist. Für ihn haben andere Gegenstände bei uns zu Hause einen Wert, die ich überflüssig finde. Was für mich manchmal nach Chaos aussieht, sind für ihn Dinge mit denen er sich gerne umgibt und die er auch tatsächlich regelmäßig benutzt. Oder Gegenstände die einen emotionalen Wert für ihn haben, weshalb er sie behalten möchte.

    Das ist völlig okay, denn Minimalismus ist immer ein Kompromiss, vor allem wenn du mit anderen Menschen zusammenwohnst. Außerdem muss jeder Mensch die Zeit bekommen, sich mit seinem Besitz zu beschäftigen. Ich bekomme manchmal den Rappel, mir wieder mal einen Schrank oder ein Regal vorzunehmen um den Besitz mal wieder zu hinterfragen. Ich würde dann am liebsten spontan anfangen, während Danny dann etwas überfordert von meinem Aktivismus ist. Deshalb funktionieren diese Spontanaktionen nie zur Zufriedenheit für uns beide.

    Mittlerweile haben wir eine bessere Taktik. Als es darum ging, den Keller aufzuräumen haben wir das vorher besprochen und einen Termin für diese Aktion vereinbart, der mehrere Wochen in der Zukunft lag. Davon abgesehen, dass wir dazu einen Transporter mieten mussten um die aussortierten Sachen teilweise zum Wertstoffhof zu bringen, konnte jede:r von uns sich auch im Kopf auf die Aktion vorbereiten. So konnten wir beide darüber nachdenken, die Dinge neutral betrachten und entscheiden, was bleiben durfte und was weggegeben wurde.

    Wenn du also mit anderen zusammenlebst, solltest du sie unbedingt auch in deine Überlegungen zum Minimalismus mit einbeziehen. Auch wenn das bedeutet, dass sie eine Chaosecke behalten dürfen, während eine andere Ecke so aufgeräumt wird, dass du dich wohlfühlst. Nur dann kann dieser Zustand auch erhalten werden. Denn es bringt nichts, wenn ein Regal von altem Konsum befreit wird, um es danach nach und nach wieder mit neuem Konsum zu füllen.

    Ich hoffe ich konnte dir das Thema Minimalismus etwas näherbringen. Für konkretere Anleitungen lies dir gerne meinen Beitrag zur Konsumpyramide durch.

  • Die Konsumpyramide der Nachhaltigkeit

    Die Konsumpyramide der Nachhaltigkeit

    Diese Konsumpyramide wurde von Sarah Lazarovic grafisch erstellt. Die Konsumpyramide der Nachhaltigkeit ist eine schöne Inspiration, Kaufimpulse kritischer zu hinterfragen und bewusstere Entscheidungen zu treffen.

    Ich habe mir diese Herangehensweise auch zum Vorbild genommen. Mittlerweile ist es eine feste Gewohnheit, die einzelnen Schritte vor einer Kaufentscheidung im Kopf durchzugehen. Hier eine Erklärung zu meiner Interpretation der verschiedenen Ebenen.

    Use what you have – Nutze was du hast

    Das bedeutet, bevor ich etwas kaufe, sehe ich mich in meinem Zuhause um, ob ich schon etwas besitze was den gleichen Zweck erfüllen kann. Es ist spannend, kreativ zu werden und vorhandene Gegenstände teilweise komplett neu zu benutzen. Unser Wohnzimmertisch besteht zum Beispiel aus dem Rest einer Arbeitsplatte die auf vier Backsteinen aufliegt. Sieht sehr individuell aus, ist aber entstanden aus Dingen, die wir schon besaßen und denen wir eine neue Aufgabe gegeben haben.

    Borrow – Leihe es

    Wie oft brauche ich das neue Produkt tatsächlich? Werde ich es wirklich mehr als einmal benutzen? Oft ist es hilfreich, es erst mal auszuprobieren und zu sehen wie ich damit zurechtkomme. Leihen ist für diesen Fall eine einfache und kostengünstige Lösung. Das geht für kleine Gegenstände wie etwa Werkzeug ebenso wie für große, teure Sachen.

    Ich selbst besitze zum Beispiel kein Auto. Mein Mann auch nicht. Manchmal brauchen wir aber trotzdem einen Transporter, etwa als wir unseren Keller endlich entrümpelt haben und einiges zum Wertstoffhof bringen mussten. In dem Fall haben wir uns einfach ein Auto gemietet, alles eingeladen und weggefahren und das Fahrzeug abends zurückgegeben. Das kostet zwar etwas Geld, ist aber viel billiger als ständig ein Auto zu unterhalten. Zudem schont es Ressourcen, da der Transporter nur einmal bereit stehen muss um von etlichen Menschen genutzt werden zu können.

    Natürlich ist das ein kostspieliges Beispiel, aber es ist nicht mal so weit hergeholt. Ich habe schon mit mehreren Menschen geredet die sich einen Kombi kaufen, nur weil sie ab und zu mal (wir reden von 1-2x im Jahr) größere Dinge transportieren müssen. Die Alternative wäre auch hier, sich einen Kleinwagen zu kaufen und für die besonderen Gelegenheiten ein größeres Auto zu leihen.

    Ein etwas kleineres Beispiel ist die Stadtbibliothek. Seit ich einen Bibliotheksausweis habe, lese ich mehr als doppelt so viele Bücher wie vorher, ohne sie besitzen zu müssen.

    Wenn du das nächste Mal etwas brauchst, versuche doch erst mal das Produkt auszuleihen. Kaufen kannst du es später immer noch.

    Swap – Tausche

    Tauschen geht in die ähnliche Richtung wie leihen. Außer dass der Gegenstand hier in deinen Besitz übergeht und du dafür einen anderen Besitz abgibst.

    Wenn du etwas brauchst, dann hör dich doch einfach mal in deinem Familien- oder Freundeskreis um, ob dort jemand genau so etwas besitzt und vielleicht loswerden möchte. Mittlerweile gibt es auch regelrechte Tauschbörsen, vor allem von Kleidertauschpartys ist oft die Rede. Die Idee dahinter ist gut, um etwas Abwechslung in den eigenen Kleiderschrank zu bringen.

    Tauschen kommt bei mir allerdings eher selten vor, denn meistens möchte ich ja etwas loswerden, ohne dass dafür etwas anderes ins Haus kommt. Oder ich möchte etwas neu erwerben, habe aber gerade nichts was ich dafür eintauschen könnte.

    Thrift – Kaufe gebraucht

    Bevor ich etwas Neues kaufe, überlege ich mir, ob ich den Gegenstand nicht auch gebraucht bekomme. Meistens ist das der Fall und nicht selten ist der Preis auch noch wesentlich günstiger, als der Neukauf. Außerdem werden damit Ressourcen geschont. Denn für dieses Produkt wurden die Materialien schon verbraucht, daher ist die nachhaltigste Lösung das Produkt so lange zu verwenden wie möglich. Wann immer du also einen Neuerwerb planst, überlege dir, ob du das Produkt auch gebraucht beziehen kannst.

    Ich kaufe gebrauchte Artikel meistens online oder auf Flohmärkten. Wichtig ist, dass ich auch hier mit einer Einkaufsliste shoppe, damit ich wirklich nur das erwerbe was ich wirklich brauche. So mache ich mir zum Beispiel auch vor einem Flohmarktbesuch darüber Gedanken, wonach ich Ausschau halten will. Nur das darf dann auch gekauft werden.

    Make – Mach es selbst

    Anstatt etwas neu zu kaufen kannst du überlegen, Dinge selbst herzustellen. Am besten natürlich mit Materialien, die du schon zu Hause hast. Selbstgemachte Produkte sind teilweise nicht nur günstiger in der Herstellung, sondern erhalten von dir oft auch viel mehr Wertschätzung, da du nicht nur Geld sondern auch Zeit und Mühe investiert hast.

    Ich mag es gerne, mit den Händen zu arbeiten, bin aber nicht so talentiert dazu, Produkte selbst herzustellen. So kann ich zum Beispiel nicht (mehr) nähen oder habe auch kein umfassendes Bastelequipment zur Hand. Aber wie schon beim Punkt „Use what you have“ besprochen, kombiniere ich gerne vorhandene Gegenstände neu oder gebe ihnen einen neuen Nutzen.

    Wenn du selbst basteln, werken, nähen oder anderswie Neues erschaffen willst, dann schau dich doch zum Beispiel mal auf Pinterest um. Dort findest du zahlreiche Do-it-Yourself-Anleitungen, sog. DIYs, zu den verschiedensten Themen.

    Buy – Kaufe es (neu)

    Wenn ich all diese Punkte durchgegangen bin und feststelle, dass ich das Produkt immer noch kaufen möchte, dann tue ich das. Denn ich weiß, ich kaufe es nicht aus einer Laune heraus, sondern habe mich damit beschäftigt und aktiv für den Kauf entschieden. Natürlich achte ich drauf, wo und bei wem ich kaufe. Ich unterstütze gerne lokale Läden vor Ort oder kaufe zumindest bei Firmen, die auf Nachhaltigkeit und Fairness achten. Und zwar nicht als Greenwashing-Strategie, sondern weil es ihre eigenen Werte sind und sie es in ihren Geschäftsgrundsätzen verankert haben.

    Ich stelle den Kauf vor Ort stets der Lieferung voran, das bedeutet bevor ich etwas schicken lasse recherchiere ich, ob ich das auch vor Ort kaufen kann.

    Eine zentrale Regel für mich ist, den Kauf niemals am gleichen Tag zu tätigen, an dem ich den Kaufimpuls erhalten habe. Ich stelle den Kauf also mindestens einen Tag zurück. Oft bedeutet das, dass ich mindestens eine Woche nicht mehr daran denke, weil ich es völlig vergessen habe oder mittlerweile in einer komplett anderen Stimmung bin. Meistens entfällt damit dann auch der Kauf komplett.

    Ich kaufe nicht, um mich für etwas zu belohnen, weil ich traurig bin oder weil ich denke, sonst etwas zu verpassen. Ich kaufe, weil ich mich bewusst dafür entscheide und glaube, dass der Kauf mein Leben bereichert oder erleichtert.

    Seit ich mich mit der Konsumpyramide beschäftigt habe, hat dies schon einige Impulskäufe verhindert oder Produkte in meinem Zuhause neu entdeckt. Mittlerweile hat sich diese Denkweise als Gewohnheit etabliert und ich brauche nicht mehr darüber nachzudenken und sie zu Rate zu ziehen. Vielleicht hilft es dir ja auch zukünftig, deine Kaufentscheidungen anders zu treffen.

  • 8 Tipps für den Umstieg vom Auto zum Fahrrad

    8 Tipps für den Umstieg vom Auto zum Fahrrad

    Es lohnt sich, das Autofahren zu reduzieren und öfter mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Zum Schutz unseres Klimas, weil du damit weniger CO2 produzierst, aber auch zum Schutz deiner Gesundheit, weil du fitter wirst. Nicht zuletzt wirst du auch jede Menge Geld damit sparen. Falls du, wie ich damals, langjährige:r Autofahrer:in bist und nicht weißt, wie du damit am besten startest, sind hier meine 8 Tipps die mir beim Umstieg geholfen haben.

    1. Fahre ein Fahrrad, das Spaß macht

    Radfahren kann so viel Spaß machen, aber wenn dein Fahrrad nicht zu dir passt oder alt und klapprig ist, geht der Spaß sehr schnell verloren. Ein gutes Rad muss nicht zwingend teuer sein, es sollte aber zu dir passen.

    Folgende Punkte solltest du in deine Überlegung mit einbeziehen:

    Wo bin ich mit dem Rad am häufigsten unterwegs?

    Für Städte kann es sinnvoll sein, Fahrräder mit aufrechter Sitzposition zu wählen. Damit hast du einen besseren Überblick übers Verkehrsgeschehen, vor allem, weil du auch oft über die Schulter blicken wirst um auch den Verkehr hinter dir im Blick zu haben. Der Umstieg von einem Mountain- auf ein Trekkingbike hat bei mir durch die Sitzposition einen riesigen Unterschied bedeutet.

    Wie sieht das Gelände aus, in dem ich unterwegs bin?

    Flaches Gelände ist oft kein Problem, aber sobald du regelmäßig Steigungen zu bewältigen hast, lohnt es sich, in ein leichtes Fahrrad mit guter Übersetzung zu investieren. Für mich war das Upgrade von einem sehr günstigen zu einem Mittelklassefahrrad schon ein Meilensprung, was das Bergfahren betrifft.

    Wie weit fahre ich mit dem Rad und wie ist mein Fitnesslevel?

    Vielleicht lohnt sich für dich die Anschaffung eines E-Bikes, weil du damit auch weite Strecken zurücklegen kannst, ohne allzu sehr ins Schwitzen zu kommen. Wenn es aber nur um die Fitness geht, die vielleicht aktuell noch nicht vorhanden ist, solltest du dir keine Sorgen machen. Dein Fitnesslevel wird sich durch das regelmäßige Radfahren erhöhen. Selbst Anstiege, die du am Anfang vielleicht fürchtest, verlieren auf Dauer mehr und mehr ihren Schrecken.

    Wie viel muss ich transportieren?

    Reicht dir als Packmöglichkeit ein normaler Rucksack oder brauchst du mehr Platz zum Verstauen von Gegenständen, die du mitführen willst? Vielleicht findest du Gepäckträgertaschen auch komfortabler, als den Rucksack auf dem Rücken. Dazu brauchst du dann aber natürlich auch einen Gepäckträger.  Oder magst du den klassischen Lenkerkorb? Wenn du regelmäßig viel zu transportieren hast oder oft deine Kinder (oder dein Haustier) mitnimmst, kannst du über den Kauf eines Lastenrads nachdenken. Als Alternative gibt es auch Fahrradanhänger, die bei Bedarf angehängt werden können und Stauraum bieten, wenn er benötigt wird.

    Möchte ich das Rad im öffentlichen Nahverkehr mitnehmen?

    Wenn du regelmäßig Rad und Nahverkehr kombinierst und dein Fahrrad etwa im Zug mitnehmen möchtest, kannst du über ein Faltrad nachdenken. Zusammengeklappt gilt das nämlich als Handgepäck und kostet auch zu den Hauptpendlerzeiten kein Extraticket. Außerdem nimmt das wenig Platz weg, so dass du es vielleicht sogar mit in deine Wohnung oder ins Büro nehmen kannst, wenn du keine gute Möglichkeit hast, es sonst sicher abzuschließen.

    Das sind nur einige Punkte, über die du dir Gedanken machen kannst. Tolle Räder gibt es übrigens oft auch gebraucht, entweder bei diversen Online-Börsen oder auf Flohmärkten. Oder lass dich in einem Fahrradgeschäft bei dir vor Ort beraten.

    Aber mach dich nicht zu sehr verrückt, das absolut perfekte Rad für deine Gegebenheiten zu finden. Das beste Fahrrad ist einfach das, bei dem du Spaß hast es zu fahren.

    2. Starte mit kurzen Wegen die du regelmäßig fährst

    Mach dir eine Auflistung, welche Wege du mindestens einmal die Woche mit dem Auto zurücklegst. Nimm dir den kürzesten Weg fahre diesen zukünftig mit dem Rad. Gib dir gerne einen Testzeitraum, der aber mindestens 4-6 Wochen betragen sollte. Wichtig ist, dass du möglichst keine Ausnahmen zulässt um doch wieder ins Auto zu steigen, selbst bei schlechtem Wetter oder Kälte. Für solche Fälle gibt es immerhin die passende Kleidung. Wenn du das mehrere Wochen durchgezogen hast, hat sich dein Kopf daran gewöhnt und deine Gewohnheiten umgestellt. Du brauchst dann überhaupt nicht mehr darüber nachzudenken und dich auch nicht jedes Mal neu zu motivieren, aufs Rad zu steigen. Es wird dir ganz selbstverständlich vorkommen. Nimm dir nach und nach immer weitere Strecken dazu, um sie zukünftig mit dem Fahrrad zu bewältigen. Durch das regelmäßige Fahrradfahren wirst du fitter und dann sind auch die längeren Wege kein Problem mehr. Ansonsten halte dich an den nächsten Tipp.

    3. Kombiniere das Fahrrad mit dem öffentlichen Nahverkehr

    Niemand hat behauptet, dass du jetzt kilometerweit Fahrrad fahren musst, wenn du auf das Auto verzichtest. Überlege dir, ob du das Fahrrad mit der Bahn oder dem Bus kombinieren kannst. Du kannst ein Teilstück mit dem Fahrrad fahren, das Rad abstellen und mit dem Bus oder Zug weiterfahren. Oder du kannst das Fahrrad in der Bahn mitnehmen. Vielleicht überlegst du dir auch, dir ein Zweitfahrrad anzuschaffen.

    4. Such dir schöne Fahrradstrecken

    Wenn die Straßen, die du mit dem Fahrrad zurücklegst, nicht wirklich schön sind und erst recht nicht fahrradfreundlich, überlege dir Umwege zu fahren. Auch wenn du damit ein paar Minuten länger unterwegs bist, kann es sich lohnen. Anders als mit dem Auto kannst du mit dem Fahrrad durch Parks fahren oder an Flussufern entlang. Oder vielleicht gibt es Wald- und Feldwege, die du nutzen möchtest? Als ich noch regelmäßig mit dem Fahrrad zu meiner alten Arbeitsstätte gependelt bin, war der schönste Teil des Weges die Fahrt entlang der Saar. Anstatt mich zu sehr auf den Straßenverkehr konzentrieren zu müssen, konnte ich entspannt an den Nilgänsen vorbeiradeln und dem Graureiher beim Jagen zusehen.

    5. Nutze das Fahrradfahren als Fitnessprogramm

    Wenn du nur ansatzweise so bist wie ich, fällt es dir schwer dich zur Fitness zu motivieren, wenn du erst mal von der Arbeit zu Hause bist. Erst recht im Winter wenn es kalt und nass ist, finde ich überhaupt keine Motivation nochmal rauszugehen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dabei tut es mir so gut, die Ausdauer meines Körpers regelmäßig zu fordern, da ich oft sehr viele Stunden am Tag (meist am Schreibtisch) sitze. Als ich vom Auto aufs Fahrrad umgestellt habe, brauchte ich mir darüber keine Sorgen mehr zu machen. Indem ich einfach mit dem Rad dorthin fuhr wo ich sowieso hinmusste, etwa zur Arbeit, erledigte ich den Ausdauersport gleich mit. Wenn dir das zu wenig ist, kannst du ja nach Feierabend noch eine Extrarunde drehen, bevor du nach Hause fährst.

    Jetzt wo ich meinen alten Job aufgegeben habe und die erste Zeit im Homeoffice bin, fehlt mir diese regelmäßige Bewegung sehr. Ich muss mir bald wieder einige Tricks überlegen, um mich wieder regelmäßig aufs Rad zu setzen.

    6. Überleg dir, wie viel schneller du bist

    Es mag sein, dass das Auto das bequemere Verkehrsmittel ist. In der Stadt ist das Fahrrad aber definitiv das Schnellere.  An Staus ziehst du lächelnd vorbei. Einbahnstraßen musst du nicht kompliziert umfahren, oft sind sie für Fahrräder in beide Richtungen zugänglich. Außerdem kannst du Abkürzungen nutzen, etwa durch Parks. Die Zeit die du vorher bei der Parkplatzsuche verschwendet hast, entfällt ebenfalls.

    7. Rechne dir aus, was du sparst

    Damit meine ich nicht nur die Ersparnis an CO2, wenn du dein Auto stehen lässt und mit dem Fahrrad fährst. Die ist natürlich wichtig. Aber auch die Geldersparnis, die sich auf Dauer ergibt ist nicht zu unterschätzen.

    Wenn du öfter das Fahrrad nutzt, wirst du es zuerst an den Spritkosten bemerken, die geringer ausfallen, ebenso die Parkgebühren. Hast du erst mal den kompletten Umstieg geschafft und brauchst überhaupt kein Auto mehr, entfallen die zusätzlich die Kosten für Versicherung, KFZ-Steuern, Inspektionen, Reparaturen, usw. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Das ist enorm. Mit diesem gesparten Geld kannst du dann auch locker mal ein Taxi bezahlen, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt irgendwo hinzukommen außer mit dem eigenen Auto.

    8. Gib nicht auf, wenn es schwierig wird

    Manchmal gestaltet sich Umstieg aufs Rad schwieriger, als gedacht. Vielleicht bist du die Sache zu schnell angegangen und doch noch nicht so fit, wie du geglaubt hast. Oder die Straße, die du fahren musst ist alles andere als fahrradfreundlich und du bist jeden Tag gestresst durch den Verkehr. Vielleicht geht es dir wie mir und dein Fahrrad wird mehrmals beschädigt oder gestohlen. Oder genau zu Beginn deiner Umstellung regnet es tagelang in Strömen und deine Motivation sinkt deshalb in den Keller.

    Gib nicht auf. Versuch es anders, etwa in dem du Verkehrsmittel kombinierst. Leg dir ein besseres Schloss zu, um dein Fahrrad vor Diebstahl zu schützen oder informiere dich, wo du es sicher abstellen kannst. Etwa in Fahrradboxen, die du mieten kannst. Investiere auch in deine Ausrüstung, etwa in gute Regenkleidung. Bei mir hat der Wechsel auf bessere Thermohandschuhe für den Winter einen riesigen Unterschied bedeutet. Wenn dir die Hände bei -4° nicht während der Fahrt einfrieren, lässt es sich gleich viel angenehmer fahren.

    Wenn alles nicht hilft, gönn dir eine kurze Pause in der du vielleicht sogar wieder das Auto nutzt und versuche es ein paar Wochen später erneut, etwa wenn das Wetter besser wird. Wenn alles nicht hilft, akzeptiere dass es grade für dich nicht funktioniert, diesen Weg mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das ist okay. Das macht dich zu einem schlechten Menschen. Du hast dich immerhin überhaupt mal mit der Thematik beschäftigt und vielleicht wird der komplette Umstieg irgendwann ja auch für dich funktionieren.

     

    Bei mir ist auch nicht alles zu Beginn glatt gelaufen, aber am Ende hab ich es doch geschafft. Und das, obwohl ich damals sogar noch beruflich in der Automobilindustrie gearbeitet habe. Vielleicht inspiriert dich meine Geschichte dazu, den Wechsel zu wagen.

    Ansonsten erzähl mir gerne deine Gedanken dazu in den Kommentaren oder stell mir die Fragen, die du dazu hast.

  • Nachhaltige Mobilität – so gelang mein Umstieg vom Auto auf´s Rad

    Nachhaltige Mobilität – so gelang mein Umstieg vom Auto auf´s Rad

    Nach 15 Jahren als Autofahrerin habe ich es 2019 geschafft, mein Auto zu verkaufen und aufs Fahrrad umzusteigen. Ergänzend dazu nutze ich öffentliche Verkehrsmittel. Hier ist meine Geschichte, wie ich das geschafft habe und warum das manchmal ein ganz schönes Abenteuer war.

    Autofahren ist neben dem Fliegen ein großer privater Anteil in Sachen CO2-Emissionen. Zudem ist es ein Bereich in dem ich als Einzelperson schnell etwas verändern kann, um CO2 einzusparen. Das Fliegen hatte ich schon länger aufgegeben, ein Auto besaß ich allerdings noch und zu Beginn war es unvorstellbar, darauf zu verzichten.

    Ich fahre Auto seit ich 18 bin. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und ein eigenes Auto bedeutete damals Freiheit. Die Busverbindungen auf dem Dorf sind mies und damals waren sie sogar noch schlechter als heute. Daher stellte ich mir damals überhaupt nicht die Frage, ob es umweltverträglich ist, ein Auto zu besitzen. Gleichzeitig wollte ich aber schon immer in der Stadt leben. Ich fand das Dorfleben damals einengend und fad. Wann immer ich einkaufen oder ausgehen wollte, musste ich ins Auto steigen. Als es tatsächlich mit dem Umzug in die Stadt funktionierte, kam allerdings bald die Erkenntnis, dass ein Auto dort nicht viel Sinn macht. Permanente Staus, komplizierte Straßenführungen und ständige Parkplatzsuche gehörten zum Alltag. Somit blieb das Auto immer öfter stehen, stattdessen benutzte ich den Bus, das Fahrrad oder ging zu Fuß.

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    Irgendwann setzte sich aber der Gedanke bei mir fest, noch mehr als bisher aufs Auto zu verzichten. Bisher erledigte ich zwar viele Wege autofrei, sobald es aber anstrengend wurde, nutzte ich doch den bequemen Weg. Das wollte ich ändern.

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    Der erste Schritt war der Verzicht des Autos auf die Kurzstrecke zum Yoga. Mein Yogakurs fand im gleichen Stadtteil statt, in dem ich wohnte. Fahrtzeit mit dem Auto etwa 5, mit dem Rad etwa 10 Minuten. Bisher hatte mich der Berg abgehalten, den ich hochfahren musste um zum Studio zu gelangen. Achja, und das schlechte Wetter und die Dunkelheit im Herbst und Winter. Ausreden gab es genug. Meine neue Motivation war, den Berg als zusätzliche sportliche Aktivität zu sehen, ergänzend zum Yoga sozusagen. Für den Herbst und Winter habe ich mir ausgerechnet, wie absurd hoch der Benzinverbrauch zu dieser Jahreszeit für eine solche Kurzstrecke ist. Davon abgesehen, dass die Innenraumheizung sowieso erst ihre volle Stärke erreicht hatte, wenn ich bereits am Studio ankam. Es war also weder wärmer und erst recht nicht günstiger, wenn ich mit dem Auto fuhr, es war einfach nur bequemer. Daher strich ich die Ausreden, stieg aufs Rad und hab nie wieder darüber nachgedacht. Der Weg zum Yoga war ab jetzt eine Fahrradstrecke für mich.

    Der nächste Punkt den Danny, mein Mann und ich, angingen war unsere Einkaufstour.

    Danny hatte schon eine Weile kein eigenes Auto mehr, aber bisher hatten wir die Einkäufe meist noch mit meinem Auto erledigt. Im Sommer 2018 sind wir dafür auf die Fahrräder umgestiegen, einfach weil Fahrradfahren im Sommer unglaublich Spaß macht. Viel mehr Spaß übrigens als im Auto zu sitzen, trotz Klimaanlage. Im Winter 2018 wurden wir leider wieder rückfällig und sind aufs Auto umgestiegen. (Hallo Bequemlichkeit!) Doch ab dem Frühjahr 2019 wollten wir es richtig machen. Die Aufgabe lautete: Wie kann ein kompletter Wocheneinkauf mit dem Fahrrad erledigt werden, der gerne auch mal ein Getränkekasten (bei uns sehr oft ein Kasten Mate) enthält? Außerdem kochen und essen wir beide gerne, daher ist unser Einkaufsvolumen nicht gerade klein. Vor allem frisches Gemüse nimmt einiges an Platz in Anspruch.

    Wir hatten das Jahr davor mit Gepäckträgertaschen experimentiert. Der Nachteil war, dass nur mein Fahrrad überhaupt einen Gepäckträger besitzt. Zudem ist es alles andere als leicht, eine voll bepackte Tasche vom Gepäckträger abzunehmen und den Getränkekasten konnten wir so auch nicht transportieren. Uns kam die Idee, ein Lastenfahrrad anzuschaffen. Allerdings werden unsere Fahrräder zur Sicherheit über Nacht im Keller eingeschlossen. Die Aussicht ein etwa 30kg schweres Lastenrad einmal die Woche 10 enge Stufen rauf- und runtertragen zu müssen erschien uns nicht besonders rosig. Noch dazu nimmt das Teil ja auch jede Menge Platz weg, dafür dass es 6 Tage in der Woche nur rumsteht. Die Alternative war ein Fahrradanhänger, den wir schon öfter zum Transport von Kindern (manchmal auch Hunden) gesehen hatten.

    Nach einer kurzen Recherche fanden wir genau, was wir gesucht hatten. Eine Firma für Fahrradanhänger hatte einen neu entwickelten Cargo-Anhänger im Sortiment. Ebene Ladefläche, bis 40kg belastbar und mittels einer Abdeckung war die Ladung bei leichtem Regen geschützt. Durch eine Anhängerkupplung kann der Anhänger am Rad befestigt werden und wenn er nicht benötigt wird, wird er platzsparend zusammengefaltet. Genau das, was wir brauchten. Obwohl er nicht ganz günstig war, bestellten wir den Anhänger und haben es seitdem nie bereut. Unsere Einkäufe passen locker drauf, sogar der Getränkekasten ist kein Problem. Wir können damit unsere Einkaufsrunde erledigen ohne uns über fehlende Parkplätze zu sorgen und an Staus fahren wir lächelnd vorbei. Auch kleine Einkäufe im Baumarkt sind damit kein Problem.

    Es blieb somit nur noch eine Autostrecke übrig, die gleichzeitig aber auch die größte Herausforderung darstellte:
    Mein Weg zur Arbeit.

    Das würde hart werden, das wusste ich. Immerhin habe ich damals in einer anderen Stadt gearbeitet und wollte aber weiterhin pünktlich am Arbeitsplatz sein. Ich wohne in Saarbrücken aber hab lange in Saarlouis gearbeitet. Das bedeutet, wenn ich nicht jeden Tag über 60km mit dem Fahrrad zurücklegen wollte, musste ich hier mehrere Verkehrsmittel kombinieren. Ich musste also neben dem Fahrrad die Bahn einbeziehen. Das erleichterte das Vorhaben nicht unbedingt, immerhin ist der Arbeitsweg sowieso schon zeitkritisch um pünktlich zu sein und durch den Fahrplan war ich nun an die Abfahrtszeiten der Züge gebunden.

    Aber ich war fest davon überzeugt, dass ich das durchziehen will. Nachdem ich mich so stark mit dem Thema beschäftigt hatte, hatte ich keine Lust mehr Versicherungen, Steuern, Inspektionen, Sprit etc. für ein Auto zu bezahlen, dass 23 Std. am Tag irgendwo parkt.

    Der Plan war, mit dem Fahrrad von zu Hause zum Bahnhof Saarbrücken zu fahren, von dort aus mit dem Zug nach Saarlouis und wieder aufs Rad bis zu meiner Arbeitsstätte. Soweit so gut, beide Fahrradwege betrugen jeweils etwa 4km und waren in ca. 15 Minuten zu bewältigen und im Fahrplan fand ich eine passende Bahnverbindung. Doch die Fahrradmitnahme im Zug kostete Geld, zumindest morgens zur Haupt-Pendlerzeit. Da ich das Zusatzticket nicht investieren wollte, besorgte ich mir ein Zweitrad für Saarlouis, welches ich über Nacht am Bahnhof deponieren wollte.

    Ich sah darin kein Problem. Mein aktuelles Fahrrad hatte schon mehrfach die Nacht draußen verbracht, irgendwo angekettet in Saarbrücken und es hatte nie Probleme gegeben. Immerhin war es ein billiges Fahrrad, dass ich damals für knapp 140€ gekauft hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass irgendjemand das klauen würde und machte mir daher keine Sorgen. Das neue Zweitrad, welches teurer war, würde ja in Saarbrücken bleiben und wäre nachts im Keller eingesperrt. Also kein Problem. Es dauerte nur wenige Tage, bis ich eines Besseren belehrt wurde.

    Aber erst mal war ich super aufgeregt und gleichzeitig super nervös an meinem ersten Tag, an dem ich mit dem Rad zur Arbeit fuhr. Ich kontrollierte zu Hause im Minutentakt in der Bahn-App, ob mein Zug pünktlich sein würde. Dann fuhr ich unnötig früh zu Hause los, aus Angst den Zug zu verpassen. Während der ganzen Zugfahrt war ich hellwach, um bloß den Ausstieg nicht zu verpassen und beim Weg vom Bahnhof zur Arbeit trat ich so schnell in die Pedale, dass meine Beine vor Anstrengung zitterten als ich ankam.  Aber es lief alles super. Der Zug war pünktlich und ich kam rechtzeitig zur Arbeit. Es fühlte sich zwar unglaublich seltsam an, zu wissen, dass mein Auto nicht hier war, aber alles war gut.

    Die Rückfahrt nach Hause war schon viel entspannter. Zu Hause angekommen war ich euphorisch.

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    Ich fühlte mich wahnsinnig gut, ich hatte es tatsächlich getan. In dem Moment fühlte ich mich, als könnte ich alles schaffen.

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    Dieses Gefühl wurde am nächsten Morgen allerdings abrupt gedämpft.

    Bis nach Saarlouis verlief alles gut, aber als ich mein Fahrrad betrachtete, dass die Nacht am Saarlouiser Hauptbahnhof zugebracht hatte, bekam ich einen kleinen Schock. Mein Sattel war abmontiert, lag zum Glück aber nur ein paar Meter weiter. Doch der Schnellspanner zur Befestigung des Sattels fehlte. Als ich den Sattel lose wieder auf das Sattelrohr schob, rutschte er natürlich bis ganz nach unten durch und war total locker. Leider half es nichts, die Zeit lief mir weg um pünktlich bei der Arbeit anzukommen. Also musste ich mich so aufs Fahrrad setzen und losfahren, meine Knie beim Treten knapp unter den Achseln. Ich kam mir vor, als würde ich ein Kinderrad fahren, oder ein winziges Clownsrad.

    Ich konnte mich erst am Nachmittag darum kümmern. Also ließ ich den Zug nach Hause sausen und schob mein Rad in eine Fahrradwerkstatt. Nachdem der dortige Chef sich mein Fahrrad angesehen hatte, konnte er mir zum Glück sofort helfen. Aus den Tiefen des Ladens beförderte er eine neue Befestigung für den Sattel, diesmal mit einer Schraube statt eines Schnellspanners. Heute weiß ich, dass ich die anderen Schnellspanner ebenfalls hätte wechseln lassen sollen. Damals glaubte ich an ein Einmalereignis. Das sollte sich bald als falsch herausstellen.

    Innerhalb des ersten Monats in dem ich mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelte, wurde mein Fahrrad nämlich noch drei weitere Male beschädigt. Einmal sägten sie mein Fahrradschloss an, weshalb ich es gegen das stärkste Faltschloss tauschte, was ich bekommen konnte. Das Teil hat übrigens ein Eigengewicht von 2kg. Ein weiteres Mal entfernten sie den Schnellspanner am Vorderrad. Fatal war, dass ich das nicht sofort bemerkte, sondern erst, als ich schon zur Arbeit hin- und wieder zurückgefahren bin. Mittags am Bahnhof, als ich das Rad in den Fahrradständer hievte bemerkte ich, dass die Gabel vorne nur lose auf dem Vorderrad saß. Damit war ich 8km über Hauptverkehrsstraßen gefahren! Mir wurde kurz schlecht, als ich realisierte was hätte passieren können, vor allem da ich auch recht unbedarft über Bordsteine gebrettert bin. Als ich mich gefangen hatte, statte ich dem Fahrradladen meinen zweiten Besuch ab und ließ auch hier eine feste Verschraubung installieren. Nun gab es eigentlich keine Teile mehr, die bei dem Rad leicht abmontiert werden konnten. Die Folge davon war, dass kurz darauf meine Reifen platt gestochen waren.

    Damit reichte es mir endgültig, aber ich weigerte mich, meinen Plan aufzugeben mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

    Dabei wäre ich nicht die Erste gewesen. Ein Mitradler den ich manchmal am Fahrradständer traf erzählte mir, dass das hier sein drittes Rad wäre. Die beiden anderen die er ebenfalls regelmäßig hier abgestellt hätte, wären entweder komplett zerstört oder gestohlen worden. Er würde jeden Tag feststellen, dass Räder beschädigt wären und wäre stets dankbar, wenn seins diesmal verschont wurde. Eine Frau mit der ich mich im Zug unterhielt berichtete ähnliches. Allerdings hatte sie das Radfahren nach dem ersten Vandalismus recht schnell aufgegeben. Wieder andere Fahrradfahrer:innen hatten sich ein Klapprad gekauft, um es im Zug mitnehmen zu können oder investierten Geld für ein Extraticket. Dem Fahrradständer am Bahnhof vertraute niemand mehr wirklich, der sein Rad einmal dort abgestellt hatte.

    Nachdem ich schon begonnen hatte, nach Klapprädern zu recherchieren entdeckte mein Mann am Bahnhof Saarlouis, etwas abseits gelegen, vier Fahrradboxen. Sie sahen alt und verwittert aus, aber sie schienen noch in Benutzung zu sein. Nachdem ich mich rumgefragt und mehrere E-Mails, zuerst an die Bahn und dann an die Stadt Saarlouis, geschrieben hatte, fand ich heraus wer diese Boxen vermietet. Ich hatte unglaubliches Glück, nur zwei Wochen danach wurde eine Box frei. Ich mietete sie sofort und brauchte mir endlich keine Sorgen mehr darüber zu machen, in welchem Zustand ich mein Rad am nächsten Morgen vorfinden würde.

    Das Radfahren ansonsten klappte ziemlich gut. Ich genoss die morgendliche Fahrt entlang der Saar und die Zeit im Zug die ich zum Lesen nutzte. Selbst Regenwetter konnte mir nichts anhaben, ich hatte mich dank Poncho, Regenhose und passenden Schuhüberziehern wetterfest ausgestattet.

    Mein Auto verkaufte ich nach einem Monat Testphase. Danach gab es kein zurück mehr, es existierte schlichtweg keine Alternative mehr.

    Heute zurückblickend würde ich es jederzeit wieder so machen.

    Ich kann mir tatsächlich nicht mehr vorstellen, dauerhaft ein Auto anzuschaffen. Früher bin ich tatsächlich gerne Auto gefahren, heute hab ich viel mehr Spaß daran mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und in der Stadt an den Autokolonnen vorbeizuziehen.

    Mir ist auch bewusst, dass eine komplette Umstellung nicht für jede:n so einfach möglich ist. Die Busverbindungen im Saarland auf den Dörfern sind immer noch mies, erst recht am Wochenende. Glücklich ist, wer einen Bahnhof in der Nähe hat. Der Rest müsste kilometerweit Fahrrad fahren, zu Hause bleiben oder eben doch weiterhin ein Auto nutzen.

    Aber auch in der Stadt ist längst nicht alles perfekt. Vor allem da Saarbrücken aufgepinselte Fahrradstreifen für adäquate Fahrradwege hält. In Saarlouis sind oft nicht mal Schutzstreifen vorhanden. Vom Mindestabstand von 1,50m beim Überholen haben viele Autofahrer:innen gefühlt noch nie etwas gehört. Das macht es schwierig, auch die Menschen zum Umsteigen zu bewegen, die sich nicht trauen auch ohne Fahrbahnmarkierung auf der Straße zu fahren.

    Aber vielleicht kann meine Geschichte dich ja doch inspirieren, den Umstieg zu wagen. Du musst dein Auto ja nicht gleich verkaufen, fang mit kurzen Wegen ohne Zeitdruck an, die du zukünftig mit dem Rad bewältigst und schau, was passiert. Wenn es geht, suche dir schöne Fahrradstrecken zu deinem Ziel, auch wenn das einen kleinen Umweg bedeutet. Und gib nicht gleich auf, wenn es anstrengend wird, sondern versuche es einfach nochmal oder versuche es anders. Du wirst sehen, es ist viel mehr möglich als du glaubst. Zudem stärkt es deinen Weg in Richtung Nachhaltigkeit, verbessert deine CO2-Bilanz und macht dabei noch jede Menge Spaß. Nebenbei wirst du auch noch fit dabei und irgendwann wirst du dich fragen, warum du damit nicht schon früher angefangen hast. Zumindest geht es mir so.

  • Zero Waste Körperpflege

    Zero Waste Körperpflege

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    Eigentlich wünschen wir uns alle ein gemütliches Badezimmer. Einen Ort, der mehr ist als der Raum in dem wir uns waschen und unsere körpereigenen Abfälle entsorgen. Wir wollen uns im Bad entspannen, pflegen und aufbrezeln.

    Stattdessen ist der Prozess der Körperpflege oft begleitet von etlichen Plastikflaschen, Tuben und Tiegeln, teilweise gefüllt mit zweifelhaften Inhaltsstoffen die wir eigentlich nicht an unsere Haut und Haare lassen sollten.

    Noch dazu sind die Produkte die wir dort verwenden oft verdammt teuer. Der Einkauf im Drogeriemarkt kann schnell ins Geld gehen.

    Eine Alternative bietet der Zero Waste-Ansatz im Bad. Hier wird der Fokus auf Produkte gelegt, die keinen Müll verursachen, die wiederverwendbar sind oder aus rein natürlichen Inhaltsstoffen bestehen und noch dazu eine Menge Geld sparen.

    Seife statt Shampoo und Duschgel

    Shampoo und Duschgel sind meistens in Plastik verpackt. Zudem enthalten sie oft Inhaltsstoffe wie Silikone, Parabene oder Mikroplastik, die ich nicht wirklich auf meiner Haut oder in meinen Haaren haben möchte. Du etwa?

    Die Alternative dazu ist Seife. Sie kommt ohne oder zumindest mit wenig Verpackung aus und verbraucht sich sparsam. Es gibt Körperseifen, Haarseifen oder ähnliche Produkte wie festes Shampoo oder fester Conditioner.  Allerdings ist das Angebot sehr vielfältig, daher kann es sein, dass du am Anfang ein wenig ausprobieren musst, bis du die perfekte Seife für dich findest. Zudem müssen sich deine Haare wahrscheinlich zu Beginn auch erst mal daran gewöhnen.

    Beim Seifenkauf achte ich darauf, dass nur natürliche, am besten Bio-zertifizierte Inhaltsstoffe verwendet werden und keine Mineralöle und künstliche Duftstoffe enthalten sind. Auch Palmöl als Bestandteil ist kritisch, wenn, dann sollte es sich unbedingt um zertifiziertes Bio-Palmöl handeln.

    Seifen findest du in Unverpackt- oder Bioläden, auf Märkten oder online. Auch im regulären Drogeriemarkt kannst du natürlich Seife kaufen, hier solltest du aber unbedingt auf die Inhaltsstoffe achten.

    Zahnbürste aus Bambus & Zahnputztabletten

    Früher hab ich eine normale Handzahnbürste benutzt, danach eine elektrische Zahnbürste. Beide bestehen aus Plastik und verursachen regelmäßig Müll, der nicht gut recycelt werden kann. Auch Zahnpasta kommt meist in einer Plastiktube daher und enthält im schlimmsten Fall auch noch Mikroplastik.

    Deshalb bin ich vor einiger Zeit auf eine Bambuszahnbürste umgestiegen. Sie besteht, wie der Name schon sagt, aus Bambus und kann nach der Benutzung einfach auf dem Kompost entsorgt werden, wo sie verrottet. Die Bürsten sind aus Rizinusöl, ebenfalls ein nachwachsender Rohstoff der theoretisch ebenfalls verrottet. Allerdings würde das zu lange dauern, daher werden die Borsten besser im Restmüll entsorgt. Dazu breche ich nach der Benutzung einfach den Bürstenkopf ab und werfe ihn in die Mülltonne.

    Anstatt Zahnpasta benutze ich Zahnputztabletten, weil das gleich mehrere Vorteile bietet. Ich spare mir den Plastikmüll und kann auf Reisen genau die Menge an Tabletten mitnehmen, die ich brauche. Das spart Platz in der Kosmetiktasche.

    Zum Putzen wird einfach der Mund mit einem Schluck Wasser angefeuchtet, dann wird eine Zahnputztablette zwischen den Backenzähnen zerkaut und mit der dadurch entstandenen Paste wird losgeputzt. Am Anfang ist es ungewohnt, weil nur wenig bis gar kein Schaum entsteht. Aber ich finde, man gewöhnt sich daran.

    Unsere Bambuszahnbürsten und die Zahnputztabletten kaufe ich im Unverpacktladen, aber beides bekommst du auch online. Mittlerweile haben sogar einige Drogeriemärkte Zahnputztabletten im Angebot, leider sind diese nur meist in Plastik verpackt.

    Rasierhobel statt Plastikrasierer

    Dass Rasieren nicht mehr nur Männern vorbehalten ist, dürfte keine Überraschung sein. Wie teuer es ist, Rasierklingen zu kaufen, vor allem für die sogenannten „Ladyshaver“, leider auch nicht. Teilweise legst du durchaus schon mal 3€ für eine Klinge auf den Tisch, die nach 1-2-maliger Benutzung ersetzt werden muss.

    Rasierer selbst kosten um die 5-10€. Beides besteht, zumindest zum Teil, aus Plastik und ist meist in noch mehr Plastik eingepackt.

    Die Alternative ist der Rasierhobel, der furchteinflößend klingt aber eine tolle Erfindung ist. Den gibt es eigentlich schon richtig lange und wird jetzt zum Glück wieder neu entdeckt. Zur Benutzung brauchst du Edelstahl-Rasierklingen, die grade mal 15-30 Cent pro Klinge kosten.

    Doch keine Sorge, das Gerät heißt nicht umsonst auch Sicherheitsrasierer. Deshalb wirst du dich genauso selten damit schneiden wie mit dem Rasierer den du jetzt benutzt. Beim Kauf solltest du darauf achten, dass du einen Rasierer mit einem geschlossenen Kamm kaufst, der ist für kurze, feine Haare geeignet. Zudem würde ich dir zu einem Rasierhobel mit Drehverschluss (statt Butterfly) raten. Ich finde das praktischer zum Reinigen, weil du alle Teile auseinander nehmen kannst.

    Anstatt eines Rasierschaums benutze ich einfach Seife. Der zarte Schaum der beim Aufschäumen entsteht, reicht völlig aus um die Klingen sanft über die Haut gleiten zu lassen.

    Rasierhobel findest du zum Beispiel bei Blackbeards, dort bestelle ich auch die Rasierklingen im 100er-Pack für knapp 12€ und hab dann damit für mindestens 2 Jahre Ruhe.

    Entsorgung der Rasierklingen

    Rasierklingen bestehen aus 100% Edelstahl, was super ist, da dieses Material immer wieder recycelt werden kann. Aber eben nur, wenn es auch korrekt dem Recycling zugeführt wird. Gebrauchte Klingen gehören daher nicht in den Restmüll, vor allem auch weil die Verletzungsgefahr für dich und die Mitarbeiter:innen des Entsorgungsunternehmens viel zu hoch ist.

    Daher sammele ich die Klingen, um sie später auf dem Wertstoffhof im Metallschrottcontainer zu entsorgen. Damit sich auch hier niemand verletzt, pack deine gesammelten Klingen in eine etwas dickere Pappschachtel, klebe diese zu und beschrifte sie mit dem Inhalt, damit jede:r, der später damit in Berührung kommt, Bescheid weiß. Ein bisschen Pappe stört beim Prozess des Recyclings von Metallschrott nicht, das hat mir ein Mitarbeiter unseres städtischen Entsorgungsunternehmens versichert.

    Bürsten & Peelen

    Früher habe ich eine Plastikhaarbürste benutzt, um meine Haare zu entwirren. Mittlerweile bin ich auf eine Bürste aus Bambus umgestiegen, die den Job genauso tut aber ohne Plastik auskommt. Im Bild oben ist das die breite, viereckige Bürste.

    Um meine Haare zu pflegen, nutze ich manchmal eine Pflegebürste mit weichen Borsten. 1-2 Tage vor dem Haarewaschen, wenn mein Ansatz langsam fettig wird, bürste ich damit meine Haare gründlich vom Ansatz bis zu den Spitzen durch. Dadurch verteile ich den Haartalg von der Kopfhaut im ganzen Haar bis in die Spitzen. Das pflegt auf ganz natürliche Weise. Im Bild ist das die schwarze ovale Bürste.

    Peelings nutze ich nur selten, stattdessen wende ich die Trockenbürstenmassage an. Dazu streiche ich mit einer Badebürste von den Füßen beginnend nach oben über meinen Körper. Das Bürsten bewirkt nicht nur, dass die Haut sanft gepeelt wird, sondern regt auch die Durchblutung an. Zudem wird durch das Bürsten das Lymphsystem angeregt, wodurch Schadstoffe in der Haut schneller abtransportiert werden. Wichtig ist nur, dass du unten bei den Füßen anfängst und von dort nach oben immer in Richtung des Herzens bürstest. Im Bild ist die Trockenbürste die größte, ovale Bürste.

    Die kleine, runde Bürste nutze ich für das Gesicht. Obwohl es viele Empfehlungen gibt, eine Gesichtsbürste in Verbindung mit einem Pflegeprodukt zu benutzen, wasche ich mein Gesicht aber morgens meistens nur mit Wasser. Deshalb benutze ich die Gesichtsbürste wie die Badebürste als Peelingmassage vor dem Waschen, um die Durchblutung zu fördern und abgestorbene Hautschüppchen zu lösen.

    Abschminken & Pflegen

    Zum Abschminken nutze ich aktuell ein flüssigbleibendes Kokosöl und kleine, quadratische Tücher aus Baumwolle. Die sind wiederverwendbar und können nach der Benutzung einfach in der Waschmaschine gewaschen werden. Mittlerweile gibt es waschbare Abschminkpads in allen möglichen Größen und Formen. Alternativ können aber auch alte Baumwoll-Shirts zugeschnitten und verwendet werden.

    Das Kokosöl kann ganz übrigens ganz leicht durch Olivenöl ersetzt werden.

    Zur Pflege meiner Haut nutze ich entweder auch ein Öl, dass ich auf die leicht feuchte Haut einmassiere oder meine selbstgemachte Bodybutter.

    Falls du sie nachmachen möchstest, hier das Rezept.

    Diese besteht aus

    130g Kokosöl

    130g Sheabutter

    30g Kakaobutter

    30g Olivenöl

    evtl. ein paar Tropfen ätherisches Öl

    Alle Zutaten bis auf das Olivenöl und das ätherische Öl im Wasserbad schmelzen und in einer Schüssel zusammenschütten. Olivenöl hinzugeben und abkühlen lassen. Sobald die Mischung fest ist, mit der Küchenmaschine oder dem Handrührgerät schaumig aufschlagen. Optional ein paar Tropfen ätherisches Öl hinzufügen, nochmal kurz durchrühren und die Mischung in ein geeignetes Gefäß, etwa ein Schraubglas, abfüllen.

    Achtung, dieses Rezept ist für eine große Menge der Bodybutter ausgelegt. Einfach weil ich sie von Kopf bis Fuß am ganzen Körper benutze und mein Mann sie ebenfalls zur Gesichtspflege nimmt. Außerdem finde ich es praktischer, mir einmal den Aufwand zu machen und dann gleich eine größere Menge herzustellen und dann die nächsten paar Wochen Ruhe zu haben. Die Mengenangaben im Rezept kannst du aber natürlich ganz nach deinen Bedürfnissen anpassen.

    Menstruation

    Um den Menstruationscup bin ich tatsächlich lange herumgeschlichen, bis ich mich daran getraut habe. Aber mittlerweile weiß ich nicht mehr, wie ich jemals ohne ausgekommen bin. Während ich bei Tampons immer das Gefühl hatte, dass sie meine Vagina austrocknen, weil sie einfach jegliche Flüssigkeit aufsaugen, ist der Cup hier deutlich angenehmer. Er besteht aus medizinischem Silikon und wird gefaltet in die Vagina eingeführt, wo er dann aufploppt und wie ein Becher das Blut auffängt. Anders als beim Tampon wird die Mischung aus Blut und Schleimhaut nicht mehr aufgestaut, sondern kann einfach abfließen und wird in der Toilette entsorgt.

    Als Backup nutze ich waschbare Binden. Meine Periode ist in den ersten Tagen unheimlich stark, was manchmal dazu führt, dass der Menstruationscup überläuft. Dann fangen die Binden das ausgelaufene Blut auf.

    Sobald meine Periode dem Ende zugeht, ist mir der Cup meist unangenehm beim Einführen und ich nutze nur noch die Stoffbinden.

    Der Vorteil von Cup und Binden ist, dass beides wiederverwendet werden kann und somit keinen Müll verursacht. Dazu den Cup nach dem Benutzen und Reinigen in einem Stoffsäckchen lagern und vor der nächsten Benutzung mit kochend heißem Wasser sterilisieren. Die Baumwollbinden werden nach der Benutzung einfach in die Waschmaschine gesteckt.

    Haargummis

    Ich trage meine Haare meistens offen, aber ab und zu hab ich dann doch mal Lust auf einen Seitenzopf oder Dutt. Zu dem Zweck hab ich allerdings mittlerweile mehr als genug Haargummis und ihre Zahl wächst ständig. Denn Haargummis werden bei mir nicht gekauft, sondern „gerettet“. Alle Haargummis die du auf diesem Bild siehst, hab ich irgendwo auf der Straße gefunden und sie von dort aufgelesen.  Sie sind überall, auf Gehwegen, in Fußgängerzonen, auf Bahnsteigen, auf Spazierwegen…vielleicht hab ich auch schon mal den ein oder anderen Haargummi gefunden, den du verloren hast.

    Ich hebe sie auf und stecke sie zu Hause in einem Wäschesäckchen in die Waschmaschine. Danach können sie problemlos benutzt werden.

    Ich hoffe, ich habe dir mit dieser Liste erst mal eine kleine Anregung gegeben, auf der du aufbauen kannst.

    Wenn du dir deine Pflegeroutine und die Dinge die du dabei benutzt ansiehst, frag dich: Brauche ich das wirklich? Wenn nicht, dann entsorge oder verschenke den Gegenstand oder das Produkt.

    Wenn ja, dann frag dich: Kann ich es durch etwas ersetzen, was weniger bis gar keinen Müll verursacht oder zumindest aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt ist? Wenn ja, dann brauche das Produkt auf und ersetze es danach durch eine müllfreie Alternative. Plastikartikel die keinen Müll verursachen solltest du behalten, bis sie nicht mehr benutzbar sind bevor du sie ersetzt um Ressourcen zu schonen. Etwa wenn du Plastikhaarbürsten besitzt o.ä.

    Denk bitte dran, die Umstellung zur Zero Waste Körperpflege geht oft nicht über Nacht. Es ist okay, wenn du mit kleinen Schritten vorangehst und es ist sogar absolut empfehlenswert, erst mal die Produkte aufzubrauchen die du noch besitzt.

    Was könntest du bei deiner Pflegeroutine umstellen, um Müll und Plastik zu vermeiden und dabei sogar noch Geld zu sparen?

    *Alle Produkte und Onlineshops die ich hier nenne, empfehle ich dir, weil ich sie selbst benutze oder dort einkaufe und davon überzeugt bin. Ich erhalte keine Gegenleistung für diese Empfehlung. 

  • Mein Weg zu Zero Waste

    Mein Weg zu Zero Waste

    Hier in diesem Beitrag erzähle ich dir, wie ich zu dem Thema Zero Waste und Minimalismus gekommen bin und was ich daraus gelernt habe, um dir den Weg dahin einfacher zu gestalten.

    Begonnen hat mein Verständnis für Natur und Umwelt schon sehr früh, immerhin bin ich auf dem Land aufgewachsen. Doch die wichtigsten Meilensteine auf meinem Weg zu einer Umweltschützerin haben sich eigentlich erst in den letzten 7 Jahren ergeben.

    Vor ein paar Jahren wusste ich weder genau, wer ich bin, was ich will noch was ich mal im Leben erreichen möchte.

    Ich hatte viele Fragezeichen und Leere in meinem Kopf aber durch ein festes Angestelltenverhältnis in einem Industriebetrieb jeden Monat genug Geld übrig. Anstatt mich diesen Fragen zu stellen, füllte ich das Vakuum in meinem Leben mit Konsum. Vielleicht hätte ich heute in Individualreisen investiert, um die Antworten zu finden. Damals investierte ich in Kleidung, Schuhe, CDs, Schmuck, Cluburlaube, Deko-Nippes für zuhause…die Liste ist lang. Ich wollte die Leere in mir betäuben mehr spüren als die Monotonie des Alltags. Das Glücksgefühl nach dem Kauf hielt aber leider nur kurz an, denn egal wie viel Zeug ich anhäufte, es konnte das Loch in meinem Leben trotzdem nicht dauerhaft schließen.

    Ich fand keine Antwort. Alles war so furchtbar unbefriedigend. Ich änderte die Taktik und stürzte mich ins Partyleben. Ich verbrachte Zeit mit Menschen die mir nur oberflächlich etwas bedeuteten und umgekehrt. Menschen die mich nicht vermissten, wenn ich nicht da war. Doch schnell war mir klar, dass ich auch hier vergeblich nach Tiefe und Sinn suchte. Alles war egal, nichts hatte wirklich einen Wert und jedes Gespräch zwischen uns blieb mehr oder weniger oberflächlich. Was zählte war nur der Moment, das Jetzt. Wer dabei war, war dabei. Wer nicht, auch egal.

    Niemand von diesen Menschen wusste, was ich wirklich fühlte. Mit niemandem konnte ich mich auch mal über kritische, radikale Themen austauschen. Alles war wie eine bunte Scheinwelt in 2D ohne Tiefe.

    Doch das Thema Umweltschutz bedeutete mir immer noch etwas. Ich hatte Lust mich zu engagieren, weil ich endlich etwas bewegen wollte und immer noch nach einem Sinn für mein Leben suchte. Also schloss ich mich der Ortsgruppe einer globalen Umweltschutzorganisation an. Es klang verlockend nach Abenteuer, Umweltaktivistin zu sein, zu kämpfen für das Gute. Die Ernüchterung ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Ich lernte, dass das Engagement meist darin bestand, Infostände aufzubauen, Menschen in der Fußgängerzone beim Shopping abzufangen und ihnen etwas über Waldabholzung und Walfang zu erzählen. Das alles war mir zu wenig und damit wieder mal super unbefriedigend. Einzig positiv war die Inspiration einiger anderer Aktivisten, für die dies teilweise nicht nur ein Hobby, sondern ein Lebensstil darstellte. Menschen, die mir wirklich zeigten was es bedeutet, nachhaltig zu leben und diesen Glaubenssatz nicht abends mit der Aktionskleidung zusammen wieder auszuziehen.

    So sehr dieser Öko-Lebensstil mich faszinierte, so sehr überforderte er mich jedoch auch.

    Diese Menschen hatten dieses Leben verinnerlicht seit Jahren und Jahrzehnten. Im Versuch mitzuhalten, bekam ich oft das Gefühl, ich wäre nicht gut genug darin. Ich setzte mir selbst einen so hohen Anspruch, dass ich diesem nie gerecht werden konnte. Auch weil in der Gruppe selten die positiven Beispiele genannt wurden, sondern den Fokus darauf gelegt wurde was noch alles schlecht läuft in dieser Welt. Schlussendlich kam es wie es kommen musste: Ich scheiterte und warf alles hin.

    Doch so ganz verließ mich das Thema Nachhaltigkeit nie, auch wenn ich wieder ganz am Anfang stand. Doch Konsum war mittlerweile nicht mehr so spannend, Reisen hatte diesen Platz eingenommen. Obwohl ich die allermeisten Reisen die ich auf meine Bucketlist schrieb nie antrat (und auch nie antreten werde), so begann ich eine Leidenschaft für Reiseblogs zu entwickeln.

    Damit kam ich zum Backpacking. Die Idee faszinierte mich, das komplette Hab und Gut in einen Rucksack zu packen und die Freiheit zu spüren, jederzeit weiterziehen zu können, von einem Hostel zum Nächsten. Nach ein paar innerdeutschen Versuchen verwarf ich das Thema allerdings schnell wieder. Ich ging mittlerweile schon auf Ende 20 zu und fühlte mich zwischen den jungen Hostelgästen furchtbar fehl am Platz. Doch mit dem Thema Backpacking kam die Idee des Minimalismus. Denn wenn du all dein Zeug in einen Rucksack bekommen willst, musst du dich für das Nötigste entscheiden und nur mitnehmen, was du wirklich brauchst. Diese Idee fand ich mega spannend und es führte mich zu weiteren Blogs, die das Thema Minimalismus auch im Alltag weiterführten. Ich schaute mich in meiner vollgestopften Wohnung um, wie ich da saß zwischen all dem Zeug. Ich wollte dieses „Weniger“ auch mal probieren und begann damit, ein paar Sachen auszusortieren. Eh ich mich versah, verfiel ich in einen Rausch. Ich konnte nicht mehr aufhören und in den nächsten Jahren verkaufte, verschenkte oder entsorgte ich über die Hälfte meines materiellen Besitzes.

    Mit jedem Stück, dass mein Leben verließ fühlte ich mich leichter. Das Thema erreichte seinen Höhepunkt, als ich meinen jetzigen Freund kennenlernte und mit ihm zusammengezogen bin. Nicht nur, weil ich vor dem Umzug auch nochmal den Rest aussortiert hatte, der bisher noch Gnadenfrist durch ein „Vielleicht“ bekommen hat. Nein, auch weil ich durch Danny eine tiefe Bindung zwischen zwei Menschen kennengelernt, die ich bis dahin weder kannte noch mir hätte vorstellen können.

    Die Lücke in meinem Leben füllte ich nun mit Liebe, guten Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen. Ich brauchte den Schmerz in mir nicht mehr zu betäuben, sondern konnte ihn annehmen und manchmal sogar überwinden. Ich konnte zu mir selbst finden und mich zum ersten Mal in meinem Leben damit befassen, was meine Werte sind und was ich eigentlich wirklich will.

    Minimalismus, Umweltschutz, Nachhaltigkeit stand nun wieder ganz vorne auf der Liste und ich wusste, es würde mich nie wieder loslassen.

    Auch in der gemeinsamen Wohnung gab es kein Halten mehr. Ich zog Danny mit ins Boot und seitdem rudern wird zusammen in Richtung einer besseren Welt. Ich lernte das Thema Zero Waste kennen, besuchte Workshops dazu und las in Büchern, auf Blogs und bei Instagram alles was ich dazu finden konnte.

    Danny tauschte unter anderem sein Auto gegen eine Monatskarte für Bus und Bahn und wir tauschen beide Konsum gegen Erlebnisse. Noch heute bilden wir uns ständig weiter, diskutieren, probieren neue Dinge aus und sind uns beide bewusst, dass wir nie auslernen.

    Was aber Einzug in mein Leben gehalten hat, ist Zufriedenheit. Eine tiefe, innere Zufriedenheit.

    Weil ich nur noch von Dingen umgeben bin, die ich brauche. Dinge die weder schädlich für mich noch für meine Umwelt sind. Weil ich nur noch Kleidung kaufe, die fair produziert wurde oder Second Hand ist. Weil ich mehr Geld zur Verfügung habe, da Shopping für mich kein Zeitvertreib mehr ist. All das schafft eine wunderbare Klarheit und Zufriedenheit in meinem Kopf.

    Diese Zufriedenheit möchte ich weitergeben, ich möchte, dass jede*r so fühlen kann. Ich möchte dir zeigen, dass es ein wunderbares Leben gibt hinter dem Konsum und unter dem ganzen Zeug, dass wir anhäufen. Das Veränderung etwas Positives sein kann und wie viel möglich ist, wenn wir Zeit statt Zeug tauschen.

    Doch ich möchte, dass du diesen Weg in deinem Tempo gehen kannst. Das du weißt, dass du scheitern darfst (denn das wirst du).

    Deshalb habe ich diesen Blog gegründet.

    Ich hoffe sehr, dass ich dich inspirieren kann, einen Weg zu finden, Nachhaltigkeit, Minimalismus und Müllvermeidung in dein Leben zu integrieren. Denn es lohnt sich. Nicht nur, weil es dir persönlich gut tun wird. Sondern auch, weil wir zusammen tatsächlich die Welt verändern können.

    Bist du dabei?

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