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  • 8 Tipps für den Umstieg vom Auto zum Fahrrad

    8 Tipps für den Umstieg vom Auto zum Fahrrad

    Es lohnt sich, das Autofahren zu reduzieren und öfter mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Zum Schutz unseres Klimas, weil du damit weniger CO2 produzierst, aber auch zum Schutz deiner Gesundheit, weil du fitter wirst. Nicht zuletzt wirst du auch jede Menge Geld damit sparen. Falls du, wie ich damals, langjährige:r Autofahrer:in bist und nicht weißt, wie du damit am besten startest, sind hier meine 8 Tipps die mir beim Umstieg geholfen haben.

    1. Fahre ein Fahrrad, das Spaß macht

    Radfahren kann so viel Spaß machen, aber wenn dein Fahrrad nicht zu dir passt oder alt und klapprig ist, geht der Spaß sehr schnell verloren. Ein gutes Rad muss nicht zwingend teuer sein, es sollte aber zu dir passen.

    Folgende Punkte solltest du in deine Überlegung mit einbeziehen:

    Wo bin ich mit dem Rad am häufigsten unterwegs?

    Für Städte kann es sinnvoll sein, Fahrräder mit aufrechter Sitzposition zu wählen. Damit hast du einen besseren Überblick übers Verkehrsgeschehen, vor allem, weil du auch oft über die Schulter blicken wirst um auch den Verkehr hinter dir im Blick zu haben. Der Umstieg von einem Mountain- auf ein Trekkingbike hat bei mir durch die Sitzposition einen riesigen Unterschied bedeutet.

    Wie sieht das Gelände aus, in dem ich unterwegs bin?

    Flaches Gelände ist oft kein Problem, aber sobald du regelmäßig Steigungen zu bewältigen hast, lohnt es sich, in ein leichtes Fahrrad mit guter Übersetzung zu investieren. Für mich war das Upgrade von einem sehr günstigen zu einem Mittelklassefahrrad schon ein Meilensprung, was das Bergfahren betrifft.

    Wie weit fahre ich mit dem Rad und wie ist mein Fitnesslevel?

    Vielleicht lohnt sich für dich die Anschaffung eines E-Bikes, weil du damit auch weite Strecken zurücklegen kannst, ohne allzu sehr ins Schwitzen zu kommen. Wenn es aber nur um die Fitness geht, die vielleicht aktuell noch nicht vorhanden ist, solltest du dir keine Sorgen machen. Dein Fitnesslevel wird sich durch das regelmäßige Radfahren erhöhen. Selbst Anstiege, die du am Anfang vielleicht fürchtest, verlieren auf Dauer mehr und mehr ihren Schrecken.

    Wie viel muss ich transportieren?

    Reicht dir als Packmöglichkeit ein normaler Rucksack oder brauchst du mehr Platz zum Verstauen von Gegenständen, die du mitführen willst? Vielleicht findest du Gepäckträgertaschen auch komfortabler, als den Rucksack auf dem Rücken. Dazu brauchst du dann aber natürlich auch einen Gepäckträger.  Oder magst du den klassischen Lenkerkorb? Wenn du regelmäßig viel zu transportieren hast oder oft deine Kinder (oder dein Haustier) mitnimmst, kannst du über den Kauf eines Lastenrads nachdenken. Als Alternative gibt es auch Fahrradanhänger, die bei Bedarf angehängt werden können und Stauraum bieten, wenn er benötigt wird.

    Möchte ich das Rad im öffentlichen Nahverkehr mitnehmen?

    Wenn du regelmäßig Rad und Nahverkehr kombinierst und dein Fahrrad etwa im Zug mitnehmen möchtest, kannst du über ein Faltrad nachdenken. Zusammengeklappt gilt das nämlich als Handgepäck und kostet auch zu den Hauptpendlerzeiten kein Extraticket. Außerdem nimmt das wenig Platz weg, so dass du es vielleicht sogar mit in deine Wohnung oder ins Büro nehmen kannst, wenn du keine gute Möglichkeit hast, es sonst sicher abzuschließen.

    Das sind nur einige Punkte, über die du dir Gedanken machen kannst. Tolle Räder gibt es übrigens oft auch gebraucht, entweder bei diversen Online-Börsen oder auf Flohmärkten. Oder lass dich in einem Fahrradgeschäft bei dir vor Ort beraten.

    Aber mach dich nicht zu sehr verrückt, das absolut perfekte Rad für deine Gegebenheiten zu finden. Das beste Fahrrad ist einfach das, bei dem du Spaß hast es zu fahren.

    2. Starte mit kurzen Wegen die du regelmäßig fährst

    Mach dir eine Auflistung, welche Wege du mindestens einmal die Woche mit dem Auto zurücklegst. Nimm dir den kürzesten Weg fahre diesen zukünftig mit dem Rad. Gib dir gerne einen Testzeitraum, der aber mindestens 4-6 Wochen betragen sollte. Wichtig ist, dass du möglichst keine Ausnahmen zulässt um doch wieder ins Auto zu steigen, selbst bei schlechtem Wetter oder Kälte. Für solche Fälle gibt es immerhin die passende Kleidung. Wenn du das mehrere Wochen durchgezogen hast, hat sich dein Kopf daran gewöhnt und deine Gewohnheiten umgestellt. Du brauchst dann überhaupt nicht mehr darüber nachzudenken und dich auch nicht jedes Mal neu zu motivieren, aufs Rad zu steigen. Es wird dir ganz selbstverständlich vorkommen. Nimm dir nach und nach immer weitere Strecken dazu, um sie zukünftig mit dem Fahrrad zu bewältigen. Durch das regelmäßige Fahrradfahren wirst du fitter und dann sind auch die längeren Wege kein Problem mehr. Ansonsten halte dich an den nächsten Tipp.

    3. Kombiniere das Fahrrad mit dem öffentlichen Nahverkehr

    Niemand hat behauptet, dass du jetzt kilometerweit Fahrrad fahren musst, wenn du auf das Auto verzichtest. Überlege dir, ob du das Fahrrad mit der Bahn oder dem Bus kombinieren kannst. Du kannst ein Teilstück mit dem Fahrrad fahren, das Rad abstellen und mit dem Bus oder Zug weiterfahren. Oder du kannst das Fahrrad in der Bahn mitnehmen. Vielleicht überlegst du dir auch, dir ein Zweitfahrrad anzuschaffen.

    4. Such dir schöne Fahrradstrecken

    Wenn die Straßen, die du mit dem Fahrrad zurücklegst, nicht wirklich schön sind und erst recht nicht fahrradfreundlich, überlege dir Umwege zu fahren. Auch wenn du damit ein paar Minuten länger unterwegs bist, kann es sich lohnen. Anders als mit dem Auto kannst du mit dem Fahrrad durch Parks fahren oder an Flussufern entlang. Oder vielleicht gibt es Wald- und Feldwege, die du nutzen möchtest? Als ich noch regelmäßig mit dem Fahrrad zu meiner alten Arbeitsstätte gependelt bin, war der schönste Teil des Weges die Fahrt entlang der Saar. Anstatt mich zu sehr auf den Straßenverkehr konzentrieren zu müssen, konnte ich entspannt an den Nilgänsen vorbeiradeln und dem Graureiher beim Jagen zusehen.

    5. Nutze das Fahrradfahren als Fitnessprogramm

    Wenn du nur ansatzweise so bist wie ich, fällt es dir schwer dich zur Fitness zu motivieren, wenn du erst mal von der Arbeit zu Hause bist. Erst recht im Winter wenn es kalt und nass ist, finde ich überhaupt keine Motivation nochmal rauszugehen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Dabei tut es mir so gut, die Ausdauer meines Körpers regelmäßig zu fordern, da ich oft sehr viele Stunden am Tag (meist am Schreibtisch) sitze. Als ich vom Auto aufs Fahrrad umgestellt habe, brauchte ich mir darüber keine Sorgen mehr zu machen. Indem ich einfach mit dem Rad dorthin fuhr wo ich sowieso hinmusste, etwa zur Arbeit, erledigte ich den Ausdauersport gleich mit. Wenn dir das zu wenig ist, kannst du ja nach Feierabend noch eine Extrarunde drehen, bevor du nach Hause fährst.

    Jetzt wo ich meinen alten Job aufgegeben habe und die erste Zeit im Homeoffice bin, fehlt mir diese regelmäßige Bewegung sehr. Ich muss mir bald wieder einige Tricks überlegen, um mich wieder regelmäßig aufs Rad zu setzen.

    6. Überleg dir, wie viel schneller du bist

    Es mag sein, dass das Auto das bequemere Verkehrsmittel ist. In der Stadt ist das Fahrrad aber definitiv das Schnellere.  An Staus ziehst du lächelnd vorbei. Einbahnstraßen musst du nicht kompliziert umfahren, oft sind sie für Fahrräder in beide Richtungen zugänglich. Außerdem kannst du Abkürzungen nutzen, etwa durch Parks. Die Zeit die du vorher bei der Parkplatzsuche verschwendet hast, entfällt ebenfalls.

    7. Rechne dir aus, was du sparst

    Damit meine ich nicht nur die Ersparnis an CO2, wenn du dein Auto stehen lässt und mit dem Fahrrad fährst. Die ist natürlich wichtig. Aber auch die Geldersparnis, die sich auf Dauer ergibt ist nicht zu unterschätzen.

    Wenn du öfter das Fahrrad nutzt, wirst du es zuerst an den Spritkosten bemerken, die geringer ausfallen, ebenso die Parkgebühren. Hast du erst mal den kompletten Umstieg geschafft und brauchst überhaupt kein Auto mehr, entfallen die zusätzlich die Kosten für Versicherung, KFZ-Steuern, Inspektionen, Reparaturen, usw. Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Das ist enorm. Mit diesem gesparten Geld kannst du dann auch locker mal ein Taxi bezahlen, wenn es wirklich keine andere Möglichkeit gibt irgendwo hinzukommen außer mit dem eigenen Auto.

    8. Gib nicht auf, wenn es schwierig wird

    Manchmal gestaltet sich Umstieg aufs Rad schwieriger, als gedacht. Vielleicht bist du die Sache zu schnell angegangen und doch noch nicht so fit, wie du geglaubt hast. Oder die Straße, die du fahren musst ist alles andere als fahrradfreundlich und du bist jeden Tag gestresst durch den Verkehr. Vielleicht geht es dir wie mir und dein Fahrrad wird mehrmals beschädigt oder gestohlen. Oder genau zu Beginn deiner Umstellung regnet es tagelang in Strömen und deine Motivation sinkt deshalb in den Keller.

    Gib nicht auf. Versuch es anders, etwa in dem du Verkehrsmittel kombinierst. Leg dir ein besseres Schloss zu, um dein Fahrrad vor Diebstahl zu schützen oder informiere dich, wo du es sicher abstellen kannst. Etwa in Fahrradboxen, die du mieten kannst. Investiere auch in deine Ausrüstung, etwa in gute Regenkleidung. Bei mir hat der Wechsel auf bessere Thermohandschuhe für den Winter einen riesigen Unterschied bedeutet. Wenn dir die Hände bei -4° nicht während der Fahrt einfrieren, lässt es sich gleich viel angenehmer fahren.

    Wenn alles nicht hilft, gönn dir eine kurze Pause in der du vielleicht sogar wieder das Auto nutzt und versuche es ein paar Wochen später erneut, etwa wenn das Wetter besser wird. Wenn alles nicht hilft, akzeptiere dass es grade für dich nicht funktioniert, diesen Weg mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das ist okay. Das macht dich zu einem schlechten Menschen. Du hast dich immerhin überhaupt mal mit der Thematik beschäftigt und vielleicht wird der komplette Umstieg irgendwann ja auch für dich funktionieren.

     

    Bei mir ist auch nicht alles zu Beginn glatt gelaufen, aber am Ende hab ich es doch geschafft. Und das, obwohl ich damals sogar noch beruflich in der Automobilindustrie gearbeitet habe. Vielleicht inspiriert dich meine Geschichte dazu, den Wechsel zu wagen.

    Ansonsten erzähl mir gerne deine Gedanken dazu in den Kommentaren oder stell mir die Fragen, die du dazu hast.

  • Nachhaltige Mobilität – so gelang mein Umstieg vom Auto auf´s Rad

    Nachhaltige Mobilität – so gelang mein Umstieg vom Auto auf´s Rad

    Nach 15 Jahren als Autofahrerin habe ich es 2019 geschafft, mein Auto zu verkaufen und aufs Fahrrad umzusteigen. Ergänzend dazu nutze ich öffentliche Verkehrsmittel. Hier ist meine Geschichte, wie ich das geschafft habe und warum das manchmal ein ganz schönes Abenteuer war.

    Autofahren ist neben dem Fliegen ein großer privater Anteil in Sachen CO2-Emissionen. Zudem ist es ein Bereich in dem ich als Einzelperson schnell etwas verändern kann, um CO2 einzusparen. Das Fliegen hatte ich schon länger aufgegeben, ein Auto besaß ich allerdings noch und zu Beginn war es unvorstellbar, darauf zu verzichten.

    Ich fahre Auto seit ich 18 bin. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und ein eigenes Auto bedeutete damals Freiheit. Die Busverbindungen auf dem Dorf sind mies und damals waren sie sogar noch schlechter als heute. Daher stellte ich mir damals überhaupt nicht die Frage, ob es umweltverträglich ist, ein Auto zu besitzen. Gleichzeitig wollte ich aber schon immer in der Stadt leben. Ich fand das Dorfleben damals einengend und fad. Wann immer ich einkaufen oder ausgehen wollte, musste ich ins Auto steigen. Als es tatsächlich mit dem Umzug in die Stadt funktionierte, kam allerdings bald die Erkenntnis, dass ein Auto dort nicht viel Sinn macht. Permanente Staus, komplizierte Straßenführungen und ständige Parkplatzsuche gehörten zum Alltag. Somit blieb das Auto immer öfter stehen, stattdessen benutzte ich den Bus, das Fahrrad oder ging zu Fuß.

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    Irgendwann setzte sich aber der Gedanke bei mir fest, noch mehr als bisher aufs Auto zu verzichten. Bisher erledigte ich zwar viele Wege autofrei, sobald es aber anstrengend wurde, nutzte ich doch den bequemen Weg. Das wollte ich ändern.

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    Der erste Schritt war der Verzicht des Autos auf die Kurzstrecke zum Yoga. Mein Yogakurs fand im gleichen Stadtteil statt, in dem ich wohnte. Fahrtzeit mit dem Auto etwa 5, mit dem Rad etwa 10 Minuten. Bisher hatte mich der Berg abgehalten, den ich hochfahren musste um zum Studio zu gelangen. Achja, und das schlechte Wetter und die Dunkelheit im Herbst und Winter. Ausreden gab es genug. Meine neue Motivation war, den Berg als zusätzliche sportliche Aktivität zu sehen, ergänzend zum Yoga sozusagen. Für den Herbst und Winter habe ich mir ausgerechnet, wie absurd hoch der Benzinverbrauch zu dieser Jahreszeit für eine solche Kurzstrecke ist. Davon abgesehen, dass die Innenraumheizung sowieso erst ihre volle Stärke erreicht hatte, wenn ich bereits am Studio ankam. Es war also weder wärmer und erst recht nicht günstiger, wenn ich mit dem Auto fuhr, es war einfach nur bequemer. Daher strich ich die Ausreden, stieg aufs Rad und hab nie wieder darüber nachgedacht. Der Weg zum Yoga war ab jetzt eine Fahrradstrecke für mich.

    Der nächste Punkt den Danny, mein Mann und ich, angingen war unsere Einkaufstour.

    Danny hatte schon eine Weile kein eigenes Auto mehr, aber bisher hatten wir die Einkäufe meist noch mit meinem Auto erledigt. Im Sommer 2018 sind wir dafür auf die Fahrräder umgestiegen, einfach weil Fahrradfahren im Sommer unglaublich Spaß macht. Viel mehr Spaß übrigens als im Auto zu sitzen, trotz Klimaanlage. Im Winter 2018 wurden wir leider wieder rückfällig und sind aufs Auto umgestiegen. (Hallo Bequemlichkeit!) Doch ab dem Frühjahr 2019 wollten wir es richtig machen. Die Aufgabe lautete: Wie kann ein kompletter Wocheneinkauf mit dem Fahrrad erledigt werden, der gerne auch mal ein Getränkekasten (bei uns sehr oft ein Kasten Mate) enthält? Außerdem kochen und essen wir beide gerne, daher ist unser Einkaufsvolumen nicht gerade klein. Vor allem frisches Gemüse nimmt einiges an Platz in Anspruch.

    Wir hatten das Jahr davor mit Gepäckträgertaschen experimentiert. Der Nachteil war, dass nur mein Fahrrad überhaupt einen Gepäckträger besitzt. Zudem ist es alles andere als leicht, eine voll bepackte Tasche vom Gepäckträger abzunehmen und den Getränkekasten konnten wir so auch nicht transportieren. Uns kam die Idee, ein Lastenfahrrad anzuschaffen. Allerdings werden unsere Fahrräder zur Sicherheit über Nacht im Keller eingeschlossen. Die Aussicht ein etwa 30kg schweres Lastenrad einmal die Woche 10 enge Stufen rauf- und runtertragen zu müssen erschien uns nicht besonders rosig. Noch dazu nimmt das Teil ja auch jede Menge Platz weg, dafür dass es 6 Tage in der Woche nur rumsteht. Die Alternative war ein Fahrradanhänger, den wir schon öfter zum Transport von Kindern (manchmal auch Hunden) gesehen hatten.

    Nach einer kurzen Recherche fanden wir genau, was wir gesucht hatten. Eine Firma für Fahrradanhänger hatte einen neu entwickelten Cargo-Anhänger im Sortiment. Ebene Ladefläche, bis 40kg belastbar und mittels einer Abdeckung war die Ladung bei leichtem Regen geschützt. Durch eine Anhängerkupplung kann der Anhänger am Rad befestigt werden und wenn er nicht benötigt wird, wird er platzsparend zusammengefaltet. Genau das, was wir brauchten. Obwohl er nicht ganz günstig war, bestellten wir den Anhänger und haben es seitdem nie bereut. Unsere Einkäufe passen locker drauf, sogar der Getränkekasten ist kein Problem. Wir können damit unsere Einkaufsrunde erledigen ohne uns über fehlende Parkplätze zu sorgen und an Staus fahren wir lächelnd vorbei. Auch kleine Einkäufe im Baumarkt sind damit kein Problem.

    Es blieb somit nur noch eine Autostrecke übrig, die gleichzeitig aber auch die größte Herausforderung darstellte:
    Mein Weg zur Arbeit.

    Das würde hart werden, das wusste ich. Immerhin habe ich damals in einer anderen Stadt gearbeitet und wollte aber weiterhin pünktlich am Arbeitsplatz sein. Ich wohne in Saarbrücken aber hab lange in Saarlouis gearbeitet. Das bedeutet, wenn ich nicht jeden Tag über 60km mit dem Fahrrad zurücklegen wollte, musste ich hier mehrere Verkehrsmittel kombinieren. Ich musste also neben dem Fahrrad die Bahn einbeziehen. Das erleichterte das Vorhaben nicht unbedingt, immerhin ist der Arbeitsweg sowieso schon zeitkritisch um pünktlich zu sein und durch den Fahrplan war ich nun an die Abfahrtszeiten der Züge gebunden.

    Aber ich war fest davon überzeugt, dass ich das durchziehen will. Nachdem ich mich so stark mit dem Thema beschäftigt hatte, hatte ich keine Lust mehr Versicherungen, Steuern, Inspektionen, Sprit etc. für ein Auto zu bezahlen, dass 23 Std. am Tag irgendwo parkt.

    Der Plan war, mit dem Fahrrad von zu Hause zum Bahnhof Saarbrücken zu fahren, von dort aus mit dem Zug nach Saarlouis und wieder aufs Rad bis zu meiner Arbeitsstätte. Soweit so gut, beide Fahrradwege betrugen jeweils etwa 4km und waren in ca. 15 Minuten zu bewältigen und im Fahrplan fand ich eine passende Bahnverbindung. Doch die Fahrradmitnahme im Zug kostete Geld, zumindest morgens zur Haupt-Pendlerzeit. Da ich das Zusatzticket nicht investieren wollte, besorgte ich mir ein Zweitrad für Saarlouis, welches ich über Nacht am Bahnhof deponieren wollte.

    Ich sah darin kein Problem. Mein aktuelles Fahrrad hatte schon mehrfach die Nacht draußen verbracht, irgendwo angekettet in Saarbrücken und es hatte nie Probleme gegeben. Immerhin war es ein billiges Fahrrad, dass ich damals für knapp 140€ gekauft hatte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass irgendjemand das klauen würde und machte mir daher keine Sorgen. Das neue Zweitrad, welches teurer war, würde ja in Saarbrücken bleiben und wäre nachts im Keller eingesperrt. Also kein Problem. Es dauerte nur wenige Tage, bis ich eines Besseren belehrt wurde.

    Aber erst mal war ich super aufgeregt und gleichzeitig super nervös an meinem ersten Tag, an dem ich mit dem Rad zur Arbeit fuhr. Ich kontrollierte zu Hause im Minutentakt in der Bahn-App, ob mein Zug pünktlich sein würde. Dann fuhr ich unnötig früh zu Hause los, aus Angst den Zug zu verpassen. Während der ganzen Zugfahrt war ich hellwach, um bloß den Ausstieg nicht zu verpassen und beim Weg vom Bahnhof zur Arbeit trat ich so schnell in die Pedale, dass meine Beine vor Anstrengung zitterten als ich ankam.  Aber es lief alles super. Der Zug war pünktlich und ich kam rechtzeitig zur Arbeit. Es fühlte sich zwar unglaublich seltsam an, zu wissen, dass mein Auto nicht hier war, aber alles war gut.

    Die Rückfahrt nach Hause war schon viel entspannter. Zu Hause angekommen war ich euphorisch.

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    Ich fühlte mich wahnsinnig gut, ich hatte es tatsächlich getan. In dem Moment fühlte ich mich, als könnte ich alles schaffen.

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    Dieses Gefühl wurde am nächsten Morgen allerdings abrupt gedämpft.

    Bis nach Saarlouis verlief alles gut, aber als ich mein Fahrrad betrachtete, dass die Nacht am Saarlouiser Hauptbahnhof zugebracht hatte, bekam ich einen kleinen Schock. Mein Sattel war abmontiert, lag zum Glück aber nur ein paar Meter weiter. Doch der Schnellspanner zur Befestigung des Sattels fehlte. Als ich den Sattel lose wieder auf das Sattelrohr schob, rutschte er natürlich bis ganz nach unten durch und war total locker. Leider half es nichts, die Zeit lief mir weg um pünktlich bei der Arbeit anzukommen. Also musste ich mich so aufs Fahrrad setzen und losfahren, meine Knie beim Treten knapp unter den Achseln. Ich kam mir vor, als würde ich ein Kinderrad fahren, oder ein winziges Clownsrad.

    Ich konnte mich erst am Nachmittag darum kümmern. Also ließ ich den Zug nach Hause sausen und schob mein Rad in eine Fahrradwerkstatt. Nachdem der dortige Chef sich mein Fahrrad angesehen hatte, konnte er mir zum Glück sofort helfen. Aus den Tiefen des Ladens beförderte er eine neue Befestigung für den Sattel, diesmal mit einer Schraube statt eines Schnellspanners. Heute weiß ich, dass ich die anderen Schnellspanner ebenfalls hätte wechseln lassen sollen. Damals glaubte ich an ein Einmalereignis. Das sollte sich bald als falsch herausstellen.

    Innerhalb des ersten Monats in dem ich mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelte, wurde mein Fahrrad nämlich noch drei weitere Male beschädigt. Einmal sägten sie mein Fahrradschloss an, weshalb ich es gegen das stärkste Faltschloss tauschte, was ich bekommen konnte. Das Teil hat übrigens ein Eigengewicht von 2kg. Ein weiteres Mal entfernten sie den Schnellspanner am Vorderrad. Fatal war, dass ich das nicht sofort bemerkte, sondern erst, als ich schon zur Arbeit hin- und wieder zurückgefahren bin. Mittags am Bahnhof, als ich das Rad in den Fahrradständer hievte bemerkte ich, dass die Gabel vorne nur lose auf dem Vorderrad saß. Damit war ich 8km über Hauptverkehrsstraßen gefahren! Mir wurde kurz schlecht, als ich realisierte was hätte passieren können, vor allem da ich auch recht unbedarft über Bordsteine gebrettert bin. Als ich mich gefangen hatte, statte ich dem Fahrradladen meinen zweiten Besuch ab und ließ auch hier eine feste Verschraubung installieren. Nun gab es eigentlich keine Teile mehr, die bei dem Rad leicht abmontiert werden konnten. Die Folge davon war, dass kurz darauf meine Reifen platt gestochen waren.

    Damit reichte es mir endgültig, aber ich weigerte mich, meinen Plan aufzugeben mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

    Dabei wäre ich nicht die Erste gewesen. Ein Mitradler den ich manchmal am Fahrradständer traf erzählte mir, dass das hier sein drittes Rad wäre. Die beiden anderen die er ebenfalls regelmäßig hier abgestellt hätte, wären entweder komplett zerstört oder gestohlen worden. Er würde jeden Tag feststellen, dass Räder beschädigt wären und wäre stets dankbar, wenn seins diesmal verschont wurde. Eine Frau mit der ich mich im Zug unterhielt berichtete ähnliches. Allerdings hatte sie das Radfahren nach dem ersten Vandalismus recht schnell aufgegeben. Wieder andere Fahrradfahrer:innen hatten sich ein Klapprad gekauft, um es im Zug mitnehmen zu können oder investierten Geld für ein Extraticket. Dem Fahrradständer am Bahnhof vertraute niemand mehr wirklich, der sein Rad einmal dort abgestellt hatte.

    Nachdem ich schon begonnen hatte, nach Klapprädern zu recherchieren entdeckte mein Mann am Bahnhof Saarlouis, etwas abseits gelegen, vier Fahrradboxen. Sie sahen alt und verwittert aus, aber sie schienen noch in Benutzung zu sein. Nachdem ich mich rumgefragt und mehrere E-Mails, zuerst an die Bahn und dann an die Stadt Saarlouis, geschrieben hatte, fand ich heraus wer diese Boxen vermietet. Ich hatte unglaubliches Glück, nur zwei Wochen danach wurde eine Box frei. Ich mietete sie sofort und brauchte mir endlich keine Sorgen mehr darüber zu machen, in welchem Zustand ich mein Rad am nächsten Morgen vorfinden würde.

    Das Radfahren ansonsten klappte ziemlich gut. Ich genoss die morgendliche Fahrt entlang der Saar und die Zeit im Zug die ich zum Lesen nutzte. Selbst Regenwetter konnte mir nichts anhaben, ich hatte mich dank Poncho, Regenhose und passenden Schuhüberziehern wetterfest ausgestattet.

    Mein Auto verkaufte ich nach einem Monat Testphase. Danach gab es kein zurück mehr, es existierte schlichtweg keine Alternative mehr.

    Heute zurückblickend würde ich es jederzeit wieder so machen.

    Ich kann mir tatsächlich nicht mehr vorstellen, dauerhaft ein Auto anzuschaffen. Früher bin ich tatsächlich gerne Auto gefahren, heute hab ich viel mehr Spaß daran mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und in der Stadt an den Autokolonnen vorbeizuziehen.

    Mir ist auch bewusst, dass eine komplette Umstellung nicht für jede:n so einfach möglich ist. Die Busverbindungen im Saarland auf den Dörfern sind immer noch mies, erst recht am Wochenende. Glücklich ist, wer einen Bahnhof in der Nähe hat. Der Rest müsste kilometerweit Fahrrad fahren, zu Hause bleiben oder eben doch weiterhin ein Auto nutzen.

    Aber auch in der Stadt ist längst nicht alles perfekt. Vor allem da Saarbrücken aufgepinselte Fahrradstreifen für adäquate Fahrradwege hält. In Saarlouis sind oft nicht mal Schutzstreifen vorhanden. Vom Mindestabstand von 1,50m beim Überholen haben viele Autofahrer:innen gefühlt noch nie etwas gehört. Das macht es schwierig, auch die Menschen zum Umsteigen zu bewegen, die sich nicht trauen auch ohne Fahrbahnmarkierung auf der Straße zu fahren.

    Aber vielleicht kann meine Geschichte dich ja doch inspirieren, den Umstieg zu wagen. Du musst dein Auto ja nicht gleich verkaufen, fang mit kurzen Wegen ohne Zeitdruck an, die du zukünftig mit dem Rad bewältigst und schau, was passiert. Wenn es geht, suche dir schöne Fahrradstrecken zu deinem Ziel, auch wenn das einen kleinen Umweg bedeutet. Und gib nicht gleich auf, wenn es anstrengend wird, sondern versuche es einfach nochmal oder versuche es anders. Du wirst sehen, es ist viel mehr möglich als du glaubst. Zudem stärkt es deinen Weg in Richtung Nachhaltigkeit, verbessert deine CO2-Bilanz und macht dabei noch jede Menge Spaß. Nebenbei wirst du auch noch fit dabei und irgendwann wirst du dich fragen, warum du damit nicht schon früher angefangen hast. Zumindest geht es mir so.

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